Warum der Kauf einer Creme auch ein politisches Statement sein kann – lasst uns gemeinsam einen Unterschied machen!

Seife hangeschöpft, handgeschnitten
RINGANA-Seife handgeschöpft, handgeschnitten

 

Wart ihr auch mal 20, habt gern T-Shirts mit kernigen Sprüchen getragen, wolltet Teil einer Jugendbewegung sein und habt euresgleichen an ihren Adidas-Jacken, vorzugsweise aus den 70-ern, erkannt? An den Dreadlocks hat man schon von weitem gesehen, dass ihr sozial engagiert seid, ihr wurdet ständig von Greenpeace-, Vier Pfoten- und Amnesty International-Typen auf der Straße angesprochen, weil ihr schon so ausgesehen habt, als würdet ihr nicht nein sagen können (und ihr habt auch nicht nein gesagt)?

Je nach Geburtsdekade hat das bei der einen oder dem anderen wohl entsprechend anders ausgesehen, unter all den unterschiedlichen Looks wird es aber ähnlich gewesen sein: mit 20 sprüht einem der Idealismus grad nur so aus den Ohren, auf Demonstrationen hat man noch das Gefühl man könne die Welt verändern und man glaubt, wirklich etwas zu bewirken.

Im Laufe der Zeit, wenn man sich im Park nicht mehr auf ein paar Bier trifft, sondern zum Tabouleh- und Spargel-auf-Frühlingsvinaigrette-Essen, geht dieses Gefühl irgendwo zwischen Vögelchen auf Hochzeitseinladungen, unter dem neuen Mac-Book oder am Brunchbuffet verloren.

Je länger man auf diesem Planeten wandelt, sieht man nämlich Dinge. Man sieht, dass Müllentsorgung in Indien bedeutet, alles aus dem Zugfenster oder über Bord zu schmeißen. Und dann darf man nicht anfangen zu überlegen, wie groß Indien ist. Und wieviele Inder es gibt. Und wie wenige Menschen, die in Lebensumständen leben, die es ihnen ermöglichen überhaupt erst zu überlegen, ob der Joghurtbecher nun in die gelbe Tonne gehört oder doch woanders rein. Man sieht, dass Lämmchen in Südostasion, an den Hinterbeinen zusammengebunden, kopfüber mit dem Moped transportiert werden. Was für ein Foto gut, fürs Herz aber schlecht ist. Man sieht den Smog in Addis Abeba und stinkende Abgaswolken in Bangkok. Und fragt sich, was die paar Elektroautos ernsthaft bringen sollen. Man sieht Kinderarbeit. Und Familien, die auf die Arbeit dieser Kinder angewiesen sind. Und bekommt Angst, ganze Dörfer in Existenznöte gestürzt zu haben, weil man seine T-Shirts nicht „made in Bangladesh“ sondern bio aus dem Waldviertel gekauft hat. Man sieht wie billige Plastikartikel die Märkte überall auf der Welt überfluten. Man sieht eben dieses Plastik neben sich im Meer schwimmen, muss es am Strand zur Seite räumen um Platz für sein Badetuch zu schaffen und es leuchtet einem bunt aus einst idyllischen Bergflusstälern entgegen. Und plötzlich kommt einem die eigene Freude, als man mit einem Bambus- statt einem Plastikkochlöffel nach Hause gekommen ist, richtiggehend lächerlich vor. Man sieht riesige Schlote von großen osteuropäischen Fabriken, die schwarze Wolken in die Luft blasen. Und überlegt sich das mit der solarbetriebenen Warmwasseranlage nochmal.

Aber man muss, um sich mal so richtig schön desillusionieren zu lassen, nicht mal so weit in die Ferne schweifen. Denn wenn die Nachbarn die Küchenabfälle zwar brav sammeln, dann aber aus Faulheit samt Plastiksackerl in die Biotonne werfen, du immer wieder Dosen aus dem Altpapiercontainer fischst und du siehst, welchen Schmarren an angeblichen „Lebensmitteln“ die Menschen in ihrem Einkaufswagen liegen haben, während du dich bemüht hast zu möglichst wenig verpackten Bio- und Fairtrade-Produkten zu greifen, ja, dann kann man sich schon einmal wie der Trottel vom Dienst fühlen.

Und dann kommen noch die Dinge dazu, die man nicht sieht – aber weiß. Man weiß von den mächtigen Großkonzernen, die den Weltmarkt beherrschen. Man bekommt in den Nachrichten zumindest einen kleinen Eindruck davon, wie es in der „echten“ Welt da draußen – außerhalb unserer hübschen kleinen mitteleuropäischen Wohlstandsblase – zugeht. Man beobachtet das Rumgeeiere in der Innenpolitik, obwohl man vor lauter facepalm schon gar nicht mehr hinschauen mag.

Kein Wunder, dass man irgendwann mal seinen jugendlichen Elan verliert und einen ordentlichen Durchhänger in Sachen Weltverbesserung hat.

Ganz ehrlich: so um Mitte 20 rum hab ich eher hedonistisch gelebt. Mir war das alles ziemlich wurscht. Politik wurscht, gesunde Ernährung wurscht, Umwelt wurscht. Beziehungsweise: mir war gar nicht bewusst, dass mir das alles wurscht war, aber ich hab mich einfach lange Zeit kaum mit diesen Themen auseinandergesetzt. Und das, obwohl ich schon als Kind „Helft Wasser sparen“-Sticker auf Klospülungen gepickt habe. Meine selbstgemalten Plakate zum Thema „Rettet den Wald“ zierten unsere Wände. Und das fünfjährige Ich fragte meine Mutter vorm Fernsehapparat verwundert, warum die hungernden Kinder in Äthiopien nicht einfach mit dem Flugzeug zu uns kommen, weil wir ja eh so viel haben.

Ich weiß nicht, was das ist, wenn Idealismus plötzlich in Gleichgültigkeit umschlägt. Wahrscheinlich habe ich, als mein naiv-kindlicher Zugang verloren ging, die Komplexität all dieser Themen einfach nicht mehr ausgehalten. Und als ich endlich „groß“ war, hat mich die Frage, welche Rolle ich als einzelner Mensch in all diesem Wahnsinn überhaupt spielen kann, einfach überfordert.

Aber soll ich euch was sagen? Wenn einem diese Themen tief drinnen wichtig sind, kommen sie wieder. Und langsam, laaangsam, in einem Prozess, der in meinem Fall vor vielen Jahren begonnen hat und wahrscheinlich bis an mein Lebensende dauern wird, findet man seinen Weg zurück zu seinen idealistischen Werten – und lebt sie in einer für sich realistischen Weise. Das heißt: nicht perfekt. Nicht dogmatisch. Nicht in Selbstgeißelung und totaler Aufopferung. Sondern man tut das, was man kann und wozu man gerne bereit ist. Man wird nicht die Welt aus den Angeln heben. Aber man kann bei sich im Kleinen anfangen, und damit seinen Beitrag leisten.

Und tatsächlich gibt es etwas, womit JEDER von uns ein machtvolles Mittel in der Hand hat. Wir können wählen. Ja, wir können Politiker und Parteien wählen (und das sollten wir alle, auch wenn es mitunter eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera ist), aber das ist gar nicht das, was ich meine. Ich spreche von all den kleinen Wahlen, die wir täglich treffen: unsere Kaufentscheidungen.

Was wir liegen lassen und was wir mitnehmen, sendet ein Signal an „die da oben“ und wirkt sich langfristig auf das Angebot aus. So deppert das vielleicht wirklich im ersten Moment klingt: wir setzen sogar ein Statement, indem wir uns für eine bestimmte Creme entscheiden. Denn was drücken wir damit aus? Wir drücken damit aus, ob wir lieber wenig Geld ausgeben und dafür in Kauf nehmen, dieses Geld ausbeuterischen Großkonzernen in den Rachen zu werfen, oder ob wir bereit sind mehr auszugeben, und damit eine Marke zu unterstützen, die die Region stärkt und regionale Arbeitsplätze schafft. Durch die Entscheidung für eine Creme zeigen wir, ob uns Umweltschutz und Nachhaltigkeit am Herzen liegen. Welches Produkt bei uns im Bad steht, wirkt sich darauf aus, ob irgendwo auf der Welt jemand fair für seine Arbeit bezahlt wird oder nicht. Mit unserer Creme unterstützen wir unbewusst Tierleid oder wehren uns aktiv gegen Tierversuche. Wir schmieren uns nicht nur das Gesicht ein, sondern wir leisten damit auch einen Beitrag zu sozialen Projekten, zur Inklusion behinderter Menschen und zu Entwicklungsshilfe – oder eben nicht. Und nicht zuletzt zeigen wir mit der Wahl unserer Creme auch, ob wir weiterhin hinnehmen wollen, dass für unseren Körper und unsere Umwelt bedenkliche Stoffe zuhauf in diesen Produkten stecken, oder ob wir neben dem bloßen Wunsch nach Schönheit auch Wert auf unsere Gesundheit, auf unseren Planeten und auf hohe Qualität der Inhaltsstoffe legen.

Ich selbst war ja schon immer ein ausgesprochener Kosmetikjunkie – selbst als Studentin, die, arm wie eine Kirchenmaus und ohne Heizung lebend, mit einer runtergetretenen Second-Hand-Jeans und einem Paar Sneakers ausgekommen ist, habe ich immer wieder bei den teuersten Produkten in der Parfümerie zugeschlagen. Das war mein Luxus im Alltag, diese eine Sache, die ich mir gegönnt habe. Wenn ich mir heute überlege, wieviel Geld ich für dieses „Klumpert“ ausgegeben habe (ja, hochtechnologisch verarbeitet, mit viel Forschung verbunden und daher vermeintlich „hochwertig“, aber dennoch, ich bleibe dabei: Klumpert), obwohl es die durch und durch bessere Alternative schon damals direkt vor meiner Nase gegeben hätte!

Naja, sagt ihr jetzt vielleicht, die arbeitet ja mit RINGANA und macht natürlich Werbung. Ja, das tue ich. Und ja, ich mache das, um Geld zu verdienen. Ich wäre ja wohl eine ziemlich schlechte Unternehmerin, wenn ich mit meiner Arbeit KEIN Geld verdienen wollte.

Aber: wenn jemand, den ich über alle obigen Punkte aufgeklärt habe, dann trotzdem nichts bestellt, jedoch dennoch seine zukünftigen Kaufentscheidungen hinterfragt; wenn bei demjenigen neue Gedankengänge ins Rollen gekommen sind; oder wenn derjenige aufgrund meiner Ausführungen beginnt, seine Cremes selber aus Bio-Zutaten anzurühren – ganz ehrlich, dann fühle ich mich auch schon ziemlich erfolgreich.

Denn durch meine Tätigkeit weiß ich nicht nur, dass ich mich selbst für eine ethische Alternative entscheide, sondern ich beinflusse auch die Kaufentscheidungen anderer Menschen. Und wenn die 70-jährige sparsame Frau Mittermoser beschließt, nach Jahrzehnten nun doch die blaue Dose aus dem Bad zu verbannen und stattdessen nur mehr die selbstgemachte Ringelblumensalbe am Schulbazar ihrer Enkelin zu kaufen, der minimalistisch veranlagte Valentin statt der üblichen Paraffinpampe das Olivenöl vom letzten Griechenlandurlaub als Hautpflege benutzt, und die kosmetiknarrische Hannelore, die – so wie ich – hohen Wert auf maximale Wirksamkeit und bestes Hautgefühl legt, der Parfümerie den Rücken kehrt und in meiner Kundenliste landet (denn warum das Geld für zu Tode konservierte Chemiebomben rauswerfen, wenn es auch frisch, mit der vollen Kraft aus der Natur geht?) – dann hab ich wirklich das Gefühl, etwas erreicht zu haben.

Also lasst euch nicht unterkriegen. Spread the word. Egal, in welchem Bereich ihr aktiv seid. Beim einen ist es halt nicht die Creme. Sondern das Fahrrad. Beim nächsten ist es nicht Bio. Sondern der regionale Bauer im Nachbarsdorf. Der dritte fährt ein altes Auto. Ernährt sich aber vegan. Der nächste trägt Leder. Vermeidet dafür Plastik im Alltag. Jeder tut das, was er kann. Jeder tut das, was sich richtig anfühlt. Und gemeinsam sind wir viele. Gemeinsam machen wir einen Unterschied.

Ein Gedanke zu „Warum der Kauf einer Creme auch ein politisches Statement sein kann – lasst uns gemeinsam einen Unterschied machen!“

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