#MeToo – Das wahre Ausmaß sexueller Belästigung und warum noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist

#MeToo Kampagne
#MeToo

 

Vorhin hat mich eine Selbsterkenntnis ereilt, die ich unbedingt mit euch teilen möchte.

Seit gestern verfolgt mich ein Hashtag mit folgendem Wortlaut auf Facebook: „me too“ („ich auch“). Zur Erklärung: weltweit weisen Frauen auf die Problematik von sexueller Belästigung hin, indem jede Frau, die jemals sexuell belästigt oder angegriffen worden ist, ‚Ich auch‘ als Status schreibt. Ziel ist es, den Menschen ein Gefühl für das tatsächliche Ausmaß des Problems zu geben.

So. Nun habe ich mich grade vorhin dabei ertappt, dass ich heimlich darüber nachgedacht habe, ob ich das überhaupt in meinen Status schreiben darf. Ob ich quasi die Berechtigung dazu habe. Ob die vergleichweise geringfügigen Übergriffe, die ich erlebt habe, ausreichen. Ob ich mit dem Status #MeToo ein falsches Bild vermitteln würde. Ob dann nämlich jeder denken würde, ich wäre vergewaltigt worden. Als ob ich mit den Opfern schwerer sexueller Gewalt „nicht mithalten“ könne.

Als ich bemerkt habe, dass diese Gedanken in mir schlummern, wurde ich plötzlich richtiggehend wütend. Wütend auf die Gesellschaft, die immer noch weitgehend so tut, als wäre sexuelle Belästigung bis zu einem gewissen Grad ein Kavaliersdelikt. Oder ein frecher Bubenstreich. Und ich wurde wütend auf mich selbst, dass mich diese Einschätzung offenbar mehr beeinflusst als ich zugeben möchte. Das hat mich überrascht, da ich dazu eigentlich eine ganz klare Meinung habe (oder gedacht habe zu haben), und dennoch habe ich einen ganzen Tag lang gezögert, den Status zu teilen. Wenn es schon mir als an sich aufgeklärter emanzipierter Frau so geht, wie geht es dann erst anderen? Hier ist also noch viel Arbeit zu tun.

Also nein, ich wurde nie vergewaltigt. Und nein, ich wurde nie dazu gezwungen, sexuelle Tätigkeiten gegen meinen Willen auszuführen.

Aber: ja, mir wurde von wildfremden Männern an Busen und Po gegrapscht. Mir wurde auf Tanzflächen zwischen die Beine gegriffen. Männerkörper haben sich in dicht besetzten Bussen mehr oder weniger auffällig an mir gerieben. Es wurde sowohl dicht vor meinen Augen mit einem Lachen im Gesicht oder vermeintlich heimlich hinter meinem Rücken onaniert, auf Stränden, in Parks, im Zug. Ich wurde verbal von Männern belästigt, die mir hartnäckig bis zur Haustür gefolgt sind, zwar ohne mich anzufassen, aber dafür mit mehr als eindeutigen Angeboten bzw. aggressiven Aufforderungen. Ich wurde von Männern, die an sich meine Sexualpartner waren, trotz mehrmaligen Neins bedrängt und unter Druck gesetzt.

Und wisst ihr was? Das ist NICHT okay. Und ich denke, genau darum geht es bei #MeToo: aufzuzeigen, dass sexuelle Belästigung nicht erst bei Vergewaltigung anfängt. Sondern schon viel früher. Nehmen wir vermeintlich „harmlose“ Übergriffe nicht mehr einfach so hin. Es ist nicht normal. Es ist nicht egal.
Daher: #MeToo

You too?

7 Kommentare zu „#MeToo – Das wahre Ausmaß sexueller Belästigung und warum noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist“

    1. Stimmt – wenn man mal anfängt, darüber nachzudenken und alles aufzuzählen, merkt man plötzlich: so wenig ist das eigentlich gar nicht. Auch wenn ich das im ersten Moment gedacht habe. Erschreckend eigentlich, denn daran erkennt man wie „normal“ man als Frau solche Erlebnisse schon findet

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  1. ich verstehe sehr gut was du meinst. habe vorhin auch einen beitrag zu dem thema veröffentlicht und vor allem der begriff kavaliersdelikt ist mir auch schwer im magen gelegen. es ist auf jeden fall gut, dass darüber gesprochen wird!

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  2. Das ist tatsächlich ein Problem! Finde ich gut, darüber zu sprechen und auf diese Missstände aufmerksam zu machen. Ich glaube, dass die meisten Frauen schon solche Situationen erlebt haben, sich jedoch womöglich nicht trauen, darüber zu sprechen.

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  3. Danke für deinen Text! Ich lese seit einigen Tagen verschiedene Meinungen zum Hashtag. Insbesondere dein „ach so schlimm war es nicht“ ist mir sehr bekannt. Menschen in meinem Umfeld haben mir jetzt berichtet, dass sie sexuelle Belästigung als Bestandteil der Normalität betrachtet haben. Auch ich habe mir Gedanken gemacht. Wenn du Interesse hast, kannst du ihn gerne lesen unter : https://www.facebook.com/fraukunst/?ref=aymt_homepage_panel oder : https://frauk.blog . Wirklich danke für deine WORTE und liebe Grüße aus Stuttgart, Sarah 🙂

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