Aluminium, Palmöl, Fluorid & Plastik – Was ist dran an den Schreckgespenstern 2.0? Teil III

Ölpalme, Palmöl
Ölpalme, Palmöl

Palmöl ist ja derzeit omnipräsent und im wahrsten Sinn des Wortes in aller Munde. Nur in aller Munde? Nein, häufig auch auf all unsrer Haut.
Warum das so ist?
Erstens ist konventionelles Palmöl für die Kosmetikindustrie billig zu kriegen.
Und zweitens: Palmöl hat wunderbare Hauteigenschaften, da es rückfettend und stark antioxidativ wirkt. Man darf also bei der ganzen Diskussion nicht vergessen, dass nicht das Palmöl an sich „böse“ ist, sondern die ökologische Ausbeutung, die mit den Monokulturen einhergeht.
Etwas anders gestaltet sich die Situation in der Lebensmittelbranche, wo ja stark erhitztes, raffiniertes Palmöl verwendet wird, welches dringend in Verdacht steht, gesundheitsgefährdend zu sein, vor allem für Kinder.

Aber Palmöleinsatz ist selbstverständlich auch in der Kosmetik kritisch zu hinterfragen – und zwar: woher kommt das Palmöl? Welche Qualität hat es? Und wieviel davon wird eingesetzt?

Da Palmöl so einen furchtbar schlechten Ruf hat – und das großteils zu Recht -, wird gerne mal übersehen, dass es neben den riesigen umweltzerstörenden Palmölplantagen auch kleine Palmölbauern gibt, die sich um nachhaltigen Anbau von Ölpalmen bemühen. Mitglieder des „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ (RFSPO) des WWF z.B. verpflichten sich zu folgenden Kriterien:

  • Keine Rodung von Primärwäldern und ökologisch wertvollen Waldflächen für Plantagen,
  • Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenartenarten auf der Plantage,
  • Schutz von Wasser, Boden und Luft (das bedeutet unter anderem: kein Abbrennen von Wald),
  • Einhaltung gesetzlicher Regelungen, darunter Landnutzungs- und Eigentumsrechte,
  • Keine Kinderarbeit, dafür Bildungsangebote für die auf der Plantage lebenden Kinder,
  • Einbindung und Förderung von Kleinbauern sowie
  • Kontrolle der Plantagen durch unabhängige, autorisierte Prüfer

Ein erster Schritt, dem noch viele weitere folgen müssen, aber klar wird hier auch, dass ein Totalboykott von Palmöl ohne die Herkunft zu hinterfragen problematisch ist, da damit auch die Lebensgrundlage vieler Menschen zerstört wird, die sich bemühen, hier bessere Weichen für die Zukunft zu stellen.
Darüber hinaus wurde auch das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) ins Leben gerufen, dessen Mitglieder eine Selbstverpflichtung eingehen, die noch über den Kriterien der RSPO Zertifizierung steht.

Abgesehen von der zertifizierten Herkunft sollte Palmöl auch nur in minimalen Mengen eingesetzt werden. Das heißt: nur soviel, wie für die perfekte Wirkung notwendig, und nicht als billiger Füllstoff, um quasi eine Tube auf günstige Art voller zu kriegen.
Der Löwenanteil des weltweit angebauten Palmöls geht ja für die Treibstoff-, Waschmittel- und Lebensmittelindustrie drauf. Für Palmöl in der Kosmetik würde es bei vernünftigem Einsatz keine Monokulturen brauchen, denn hier sprechen wir im Vergleich von verschwindend geringen Mengen.

Im Frischewerk in der Steiermark wird Palmöl nicht als eigentlicher Rohstoff verwendet – viele Produkte sind ohnehin komplett palmölfrei, aber teilweise kommen Palm(kern)ölderivate in einigen Produkten in geringen Mengen vor, da in der Hautforschung bisher noch kein Ersatz in Sicht ist, der nur annähernd die gleich gute Wirkung und Qualität bezüglich des antioxidativen Schutzes liefert.

Um die Relationen besser verständlich zu machen, hier ein recht eindrückliches Beispiel:
Benutzt ihr 12 Flakons einer RINGANA-Gesichtscreme, habt ihr ungefähr gleich viel Palmöl verbraucht, wie in einem Biss eines Croissants enthalten ist.

Womit RINGANA wohl im Rittern um den Titel zum „Raubbau-Bösewicht des Jahrhunderts“ ziemlich aus dem Rennen ist 😉 (wir gewinnen lieber schöne andere Preise, wie den Klimaschutzpreis des ORF 2016 ❤ )
PS: Hier findet ihr die ersten Teile meiner „Schreckgespenster“-Blogserie:

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