Baby an Bord – was beim Fliegen im Handgepäck dabei sein sollte

Im Flugzeug wünscht man sich beileibe kein plärrendes Baby – ohne Frage. Nicht nur wegen des eigenen Nervenkostüms, das man gerne für den folgenden Urlaub schonen möchte, sondern auch weil man mit dem Geschrei gegebenenfalls die anderen Passagiere beglückt. Wenn man nicht gerade Zenmeister ist, fällt es einem wahrscheinlich schwer, die genervten Blicke gelassen auszublenden und bissige Kommentare à la „Muss man dem Kind sowas antun!“ (übersetzt: „Das Kind ist mir sowas von wurscht – warum tun die MIR das an??“) lächelnd zu ignorieren.

Okay, okay. Ich bevorzuge es auch in friedlicher Stille meine Erdnüsse zu knuspern. Und wenn neben mir ein Baby sitzt, das eben das Krabbeln entdeckt hat und lautstark seinen Unmut darüber kundtut, das nicht jetzt; hier und sofort während des Starts zu demonstrieren, mache ich zugegebenermaßen auch keine Luftsprünge (und das nicht nur, weil mir das meine Hörigkeit dem über mir leuchtenden Anschnallzeichen gegenüber verbietet).

Dennoch habe ich in solchen Situationen tendenziell eher Mitleid mit den Eltern, die sichtlich immer nervöser werden und mit hochrotem Kopf versuchen den kleinen Schreihals wahlweise zu beruhigen, abzulenken, zu bespaßen oder mit Appellen an die kindliche Vernunft zur Räson zu bringen. Ich hingegen kann mich gemütlich zurücklehnen, das Schauspiel beobachten und zur Not die Kopfhörer zücken.

NOT! Denn dieses Mal sind wir diejenigen mit dem unter Umständen hochroten Kopf und dem Baby. Und ob sich das Schnübchen als friedlicher, allseits beliebter Fluggast entpuppt oder eher vom Passagiertypus „randalierender Rabauke“ ist, wird sich erst weisen.

Mit Baby im Flugzeug – so klappt`s (hoffentlich)

Vorbereitung heißt das Zauberwort. Damit oben geschildertes Szenario nicht eintritt, haben wir einige Dinge in petto, die den Kleinen, uns und unsere werten Mitreisenden bei Laune halten werden.

1. Positive Einstellung

Wer sagt eigentlich, dass ein Baby beim Fliegen anstrengend sein muss? Ich bin der Überzeugung, dass der Großteil der Babys und Kleinkinder Flüge ohne gröbere „Zwischenfälle“ übersteht – nur fallen die eben nicht auf.

Ihr habt ein entspanntes Baby zuhause? Dann geht einfach davon aus, dass das Kind im Flugzeug auch entspannt sein wird. Wer sich im Vorfeld schon Stress macht, geht nur das Risiko ein, das kleine Persönchen damit anzustecken.

2. Genug Zeit für die Vorbereitung

Beginnt schon Tage vorher langsam zu packen und euch innerlich bereit zu machen. Wer sich in allerletzter Minute abhetzt und sich das paartypische Prä-Abreise-Nervositäts-Hickhack gibt, wird in den seltensten Fällen mit einem tiefenentspannten Baby belohnt.

3. Her mit dem Busen!

Saugen, Nuckeln und Schlucken hilft beim Druckausgleich in den Ohren. Während des Starts und der Landung heißt also die Devise – wie man in meiner Heimat im Innergebirg so schön rustikal sagt: „Aussa mid de Depf!“

Wer nicht (mehr) stillt, greift zum Flascherl. Mit etwas Glück schlummert das Baby beim Trinken weg und legt gleich mal eine Runde Schlaf ein.

4. Meersalz-Nasenspray

Sollten Ohrenschmerzen auftreten, wirkt ein Nasenspray abschwellend und über die Nebenhöhlen auch entspannend auf die Ohren. Diese Maßnahme werde ich nicht von Vornherein, sondern nur im Akutfall setzen (sprich: wenn das Schnübchen eh schon heult). Er mag es nämlich gar nicht, wenn man an seiner Nase herumfuhrwerkt, und schreit dann erst recht wie am Spieß – womit eine eventuelle Präventivfunktion obsolet würde.

5. Ohrenschutz

In den ersten 4 Monaten wäre es unserem Mumperl herzlich egal gewesen, was rund um ihn passiert – der hat geschlafen, komme was wolle. Heute, mit 8 Monaten, sieht die Sache schon ganz anders aus. Damit er besser zur Ruhe findet und nicht vom Gepiepse, den Kapitänsdurchsagen und Speibgeräuschen des Nachbarn abgelenkt wird, ist ein geräuschdämmender Kopfhörer für Babys mit im Gepäck.

6. Spielzeug

Für den Flug haben wir ein paar kleine Secondhand-Spielsachen gekauft bzw. ausgeborgt, die unser Bübchen noch nicht kennt. Wird er unrund, so können wir also in unsere Trickkiste greifen und ein neues Wunderding hervorzaubern, das sicherlich zunächst einmal ausgiebigst begutachtet, abgelutscht und gegen das Tischchen geklopft werden muss.

7. Essen

Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben fertige Babygläschen gekauft, und bin ungelogen ratlos wie der Ochs vorm Tor in der entsprechenden Regalflucht gestanden. Ich war ziemlich verblüfft, was es da an originellen Zusammenstellungen gibt, und habe nach einer gefühlten Ewigkeit relativ wahllos nach irgendwas in dem Wildlachs-Hagebutten-Bolognese-Dinkelflocken-Wahnsinn gegriffen. Ich bin ja mal gespannt, wie es dem Kleinen schmeckt. Glücklicherweise sind wir mit einem Vielfraß gesegnet und bisher war er alles andere als heikel. Und da ich mir nicht sicher bin, inwiefern selbstgekochte Babynahrung mit an Bord darf, muss er da halt jetzt durch. Bei ausgewiesener Babykost gibt es keinerlei Beschränkungen bezüglich was und wieviel ins Handgepäck darf.

Wir haben also aufregendes unbekanntes Essen dabei, ein abwischbares langärmliges Lätzchen, den Trinklernbecher für Wasser und einen Babylöffel, der sich auch wunderbar als Spielzeug zum Drauf-Rumbeißen und Tief-in-den-Rachen-Schieben-bis-zum-Würgereflex (jaja, unser Schnurbel findet das offenbar interessant) eignet.

8. Windeln und so

Selbstverständlich sollte auch alles, was man  zum Wickeln und für eventuelle „Unfälle“ braucht, ausreichend dabei sein: Windeln, Feuchttücher, Wechselgewand, Mullwindeln und eine Wickelunterlage.

9. Babytrage(tuch)

Spätestens vor dem Einsteigen ins Flugzeug muss man den Buggy oder Kinderwagen abgeben. Ab diesem Punkt kann eine Babytrage  hilfreich sein, damit ihr mit eurem restlichen Krempel (von Handgepäck über Handtasche, Jacke, Schal und Duty-Free-Sackerln) noch zu Rande kommt. Auch wenn das Baby auf eurem Schoß einschläft, ist es angenehmer, wenn es seelig an euch gekuschelt im Tuch liegt – und ihr die Hände frei habt und jederzeit mal aufstehen könnt. Außerdem ist Getragen-Werden immer noch eines der besten Dinge, die ich kenne, um ein aufgeregtes Baby zu beruhigen – sollte der Trubel am Flughafen also zu groß sein: ab in die Trage.

10. Humor und Gelassenheit

Lachen und Weinen liegen bei Babys oft ganz nah beieinander. Meine noch recht frische Erfahrung als Mama bestätigt dies: unser Schnübchen macht nämlich im Falle von akuter Müdigkeit manchmal beides GLEICHZEITIG – ungelogen.

Sollte das Baby also mal weinen: ruhig bleiben, sich nicht um die anderen Passagiere kümmern und einfach euer Ding machen. Versucht so weit wie möglich so zu agieren, wie ihr es auch zuhause machen würdet.

Und auch wenn das Baby eben noch mit kaum zu überbietender Dramaturgie gebrüllt hat, dass ihr glaubt es wurde ihm mindestens ein Fuß abgesägt, peckt es sich im nächsten Moment unter Umständen schon wieder darüber ab, dass es überhaupt sowas wie einen Fuß hat. Oh nein, es kommt noch besser: sogar zwei! Und der Flug ist gerettet.

Packliste: Mit Baby und Zelt in den Oman – das muss mit!

Unser Abenteuer kann beginnen: für uns und unser Schnübchen geht es in wenigen Tagen los in den Oman. Und zwar mit Mietauto und Zelt. Ohne Campingplätze. Die gibt es dort nämlich nicht. Wild campen ist aber erlaubt (bzw. zumindest nicht verboten).

Ja, ihr habt richtig gelesen: Baby. Zelt. Oman 😉

Damit dort auch alles möglichst glatt läuft, haben wir all unsere Reiseerfahrungen der letzten Jahre in tagelanger äußerster Konzentration (ähem…) gesammelt und in Form von Packlisten zu Papier gebracht. Das ist ja so eine typische Sache, die man sich jedes Mal vornimmt, und bei der nächsten Reise ärgert man sich, dass man sie immer noch nicht gemacht hat, diese praktische Checkliste.

Jetzt haben wir sie endlich. Und ihr auch- siehe unten. Bei der nächsten ähnlichen Reise können wir also bei den Vorbereitungen (fast) das Hirn ausschalten und einfach entspannt einpacken.

Wie wir auf diese Art der Reise gekommen sind, was wir uns dabei gedacht haben und ob uns das nicht auch ein bisserl verrückt vorkommt, berichte ich euch gern bald – am besten inkl. Fazit nach der Reise 😉

 

Mit Mietwagen im Oman: Eckdaten unserer Reise

2 Erwachsene, 1 Baby (8 Monate)

3 Wochen Oman im Jänner

unterwegs im Mietauto (Allrad), sowohl in Küsten-, Wüsten- als auch Bergregionen (daher auch rel. kalte Nächte miteinzuplanen)

Übernachtung: ca. 2/3 der Zeit im Zelt, 1/3 Unterkunft (zumindest haben wir es so vor)

Packlisten für den Oman mit Zelt (und Baby)

Dinge, die mit einem * gekennzeichnet sind, kaufen wir erst direkt vor Ort.

Gewisse Artikel wie Waschmittel oder Duschgel könnte man bei Platzmangel im Gepäck natürlich auch erst dort einkaufen – allerdings möchte ich mir auf Reisen ohne Bedenken die Haare im Fluss waschen und das Abwaschwasser in die nächste Wiese gießen können, daher müssen diese Dinge in Bioqualität mit, weil ich nicht weiß, wie das Angebot diesbezüglich vor Ort ist.

Um Platz zu sparen, fülle ich vieles in kleine Flascherl und Döschen um. Viele der Pflegeprodukte von RINGANA lassen sich praktischerweise multifunktional verwenden und sind aufgrund ihrer natürlichen und milden Zusammensetzung nicht nur für die Erwachsenen, sondern auch für die sanfte Babyhaut geeignet – auch hier lässt sich also viel an Platz gewinnen, da ich fürs Schnübchen nicht extra Produkte mitnehmen muss. Auch bei Medikamenten specke ich ab: die Schachteln bleiben zuhause, und ich nehme auch nur einen Teil der Blisters mit – so passen alle Tabletten bequem in eine flache Blechdose.

Für eine bessere Übersicht und Ordnung benutze ich diverse Packtaschen und möglichst durchsichtige Beutel – so ist immer zusammen, was zusammen gehört, und man sieht auf den ersten Blick, was wo drin ist. Wie ich uns kenne, herrscht zwar nach kurzer Zeit eh trotzdem wieder das Chaos, aber es ist ein gutes Gefühl, so organisiert zu starten!

So, am Handy wird`s jetzt schwierig, es sei denn ihr seid kleine Adleraugen – wer selber demnächst packen muss und die perfekten Packlisten sucht, sollte ab jetzt auf einen größeren Bildschirm umsteigen:

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Der 10-Punkte-Plan für ein nachhaltiges Einkaufen 2017

Das neue Jahr scharrt in den Startlöchern. Und viele von euch nehmen sich gerade fest vor, in Zukunft alles besser zu machen, endlich durchzuziehen, was ihr euch schon lange vorgenommen habt, oder dieses Mal aber WIRKLICH…(Passendes bitte einsetzen).

Gott sei Dank gibt es neben den großen Vorhaben aber auch viele kleine Dinge, die sich ganz einfach umsetzen lassen. Dennoch sind es oft Ideen, die wir schon x-mal gehört haben, aber erst beim 50. Mal beginnt es zu sickern und beim 101. Mal denken wir um. Manches kann man also nicht oft genug wiederkäuen.

In diesem Sinne präsentiere ich euch 10 Punkte, die die Welt ein bisschen besser machen, bzw. sogar sehr viel besser machen, wenn wir sie 2017 alle beim Lebensmitteleinkauf beherzigen. Schaffen wir das? Wir schaffen das!

 

1. Regional einkaufen I

Ihr habt einen Wochen- oder Bauernmarkt in der Nähe? Kennt einen Bauern, der ab Hof verkauft? Die Versuchung ist zwar groß, einfach alles was man braucht im Supermarkt ins Wagerl zu schmeißen, weil`s halt grad so praktisch ist, aaaber…eh schon wissen ;-). Plant am besten einen fixen Markttag ein, und nur, was ihr dort nicht bekommt, wird im Supermarkt gekauft.

2. Regional einkaufen II

Das Gute liegt so nah, und dennoch lohnt sich ein Blick auf`s Etikett, denn manchmal löst das große Verwunderung aus: nämlich dann, wenn mitten im steirischen Supermarkt die Äpfel aus Neuseeland sind, im Mostviertel chilenische Birnen verkauft werden oder die Petersilie aus Afrika importiert wird. Ein klarer Fall für facepalm und hands-off 🙂

3. Saisonal einkaufen

Jeden Tag frische Tomaten, auch im Winter. Erdbeertorte zum Geburtstag im Jänner. Heidelbeeren zum Frühstücksmüsli, egal zu welcher Jahreszeit… die Regel ist einfach: Don`t do it! Heimische Heidelbeeren gibt`s auch gefroren, Bio-Tomatenmark oder Passata im Glas tut`s auch, bzw. wer besonders motiviert ist, kocht Tomaten während der Saison ein und hat dann den ganzen Winter was davon.

4. Exotische Früchte: bio und fair

Bananen, Kiwis, Mandarinen… ganz darauf zu verzichten können sich wahrscheinlich die wenigsten vorstellen. Und wenn einem die Äpfel und Birnen gefühlt schon aus den Ohren wachsen, kauft man auch mal eine Mango oder eine Ananas. Um das Gewissen zu beruhigen aber nur in Bio-Qualität und möglichst aus fairem Handel. Und das wichtigste: selten. Dann freut man sich auch umso mehr über die Avocado am Brot.

5. Unverpacktes Obst und Gemüse

Kennt ihr das? Da möchte man Moussaka machen, steht im Supermarkt und hat die Wahl zwischen unverpackten konventionellen Melanzani und in Plastik gewickelte Bio-Melanzani. Für mich wie eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Angeblich ist dies notwendig, damit die Bio-Waren bei der Zwischenlagerung nicht mit der konventionellen Ware verwechselt wird. Während ich früher in dem Fall nicht so recht wusste, für welche Variante ich mich entscheiden soll, ist meine Strategie mittlerweile ganz einfach: ich kaufe die Melanzani gar nicht. Sondern die unverpackte Bio-Zucchini. Schmeckt auch. Und ein bisschen Flexibilität in der Küche trainiert das Hirn.

6. Wiederverwendbare Verpackungen verwenden

Immer genügend Stofftaschen dabei haben, Netz- statt Obstsackerl verwenden und Schafskäse, Fleisch, Oliven, Himbeeren & Co. am Markt in mitgebrachte Dosen oder Schraubgläser abfüllen lassen – am besten alles griffbereit bei der Garderobe hängen lassen, dann kommt ihr gar nicht mehr in die Verlegenheit, dass ihr darauf vergesst.

7. Fleisch: ein seltenes Vergnügen in bester Qualität

Bei hochqualitativem Fleisch stöhnen ja viele über den Preis. Während der Unterschied zwischen Bio-Salat und konventionellem Salat vernachlässigbar ist, tut`s bei Fleisch manchen schon weh. Aber Leute, ganz ehrlich: es wird ohnehin viel zu viel Fleisch gegessen. Daher lieber maximal 1x pro Woche Fleisch kaufen, aber dafür gutes. Ist besser für euch, für die Umwelt und für die Tiere sowieso. Und am Ende günstiger als jeden Tag billiges Fleisch zu essen.

8. kein Palmöl

Vom Aufback-Kipferl über Schokolade bis zur Fertigpizza: ein Großteil der Produkte im Supermarkt enthält „pflanzliche Fette“, sprich: zumeist Palmöl, weil dieses sich billig produzieren lässt und neutral schmeckt. Entsprechend braucht es riesige Monokulturen, um die Lebensmittel- und Kosmetikbranche damit zu versorgen, was ganze Landstriche zerstört. Ja, es gibt auch nachhaltige, kleine Palmölbauern, doch es bedarf einiges an Recherchearbeit, um herauszufinden, wo einzelne Firmen ihr Palmöl beziehen. Also im Zweifelsfall nach dem Blick auf die Zutatenliste: nicht kaufen.

9. Take-away mit gutem Gewissen

Ihr wollt nicht immer selber kochen und holt euch auch mal gern was vom Vietnamesen? Packt einfach eine Edelstahlbox oder sonstigen verschließbaren Behälter ein – normalerweise wird es kein Problem sein, euch eure Pho in ein Schraubglas oder ähnliches abfüllen zu lassen.

10. Nicht zu streng zu sich sein

Ihr habt gegen Punkt 1-9 verstoßen? Verzeiht euch selbst – und genießt trotzdem! Bei mir hat es letztendlich Jahre gedauert, bis ich es geschafft habe, all diese Dinge zu verinnerlichen. Manche passieren mittlerweile automatisiert, bei manchem (wie z.B. bei Punkt 9) hapert es auch bei mir noch. Das Wichtige ist, dass zunächst Bewusstsein geschaffen wird, und man sich im Klaren darüber ist, was man gerade kauft. Wenn wir WISSEN, dass wir gerade einen Schmarren gekauft haben, ist schon ein großer Schritt getan – und die Chance gut, dass wir das Teil bei der nächsten Gelegenheit doch wieder zurücklegen.

Und weil ihr sicher noch jede Menge gute Ideen und interessante Überlegungen zu dem Thema habt: immer raus damit! Ich freue mich über eure Kommentare!

Upcycling für`s Baby: das schönste hässliche Ding der Welt

Wisst ihr, was ich ein außerordentlich praktisches Feature an einem 7 Monate alten Baby finde? Dass es offenbar noch kein ästhetisches Stilempfinden oder zumindest noch keine vorgefertigten Ansichten über „schön“ und „hässlich“ hat, die ihm den Spaß am Spiel mit bestimmten Objekten verderben könnten. Es denkt nicht vorher darüber nach, ob das Teil cool oder uncool ist, und entscheidet aufgrund des festgestellten Coolnessgrads, ob es die Auseinandersetzung mit demselben wert ist oder nicht. Nein, im Gegenteil: das Ding kann schiach sein wie die Nacht; Hauptsache es ist bunt, glitzert, leuchtet, raschelt, knistert, bewegt sich oder lässt sich wunderbar in den Mund stopfen – mehr braucht es nicht für höchste Zufriedenheit. Herrlich, oder?

Da kann das stylischste, pädagogisch wertvollste aus nachhaltiger Holzwirtschaft gefertigte Öko-Spielzeug liegen – gegen das Plastiksackerl, dieses spannende Ding, kommt es momentan wahrscheinlich nicht an.

Neulich habe ich eine Freundin tödlich beleidigt, die selbstkritisch ihr selbstgebautes Mobile aus Strandgut beäugte, indem ich sagte: „Die hässlichsten Dinge findet der Anton sowieso immer am lustigsten!“

Uiui. Fettnäpfchen. Dabei war das eigentlich als Aufmunterung gemeint! Oft ist es nämlich mir schon so ergangen: da meine Bastelfertigkeiten endenwollend sind, war ich oft nicht so zufrieden mit dem Produkt meiner Bemühungen. Aber – tadaaaa! – völlig wurscht, weil das Baby hat trotzdem eine Freud` mit dem Trum.

Wir sollten also vielmehr unsere Un-Perfektion zelebrieren und einfach Spaß haben, Punkt.

(Der Kleine hat das selbstgebastelte Mobile übrigens großartig gefunden und vor lauter stiller Begeisterung den Mund gar nicht mehr zugekriegt)

Diese Begeisterung erhoffe ich mir auch von dem Weihnachtsgeschenk, das ich ihm vor ein paar Tagen in einer Hau-Ruck-Aktion abends genäht habe: ein sogenanntes „Knibbeltuch“ (dafür habe ich beim besten Willen kein passendens österreichisches Wort gefunden).

Weil bei mir garantiert am Ende die Schlaufen innen gelegen wären oder ähnlich Ärgerliches, habe ich – weise wie ich bin – einen Blick auf dieses Tutorial  geworfen, das ich euch wärmstens empfehlen kann.

Bei mir ging`s dann aber, was Auswahl der Materialien und Ausführung anging, etwas rustikaler zu – für ein waschechtes Upcycling-Schnudeltackerl (jetzt hab` ich`s doch probiert) durfte natürlich nur verarbeitet werden, was schon daheim herumgelegen ist. In meinem Fall musste ein alter, löchriger Blümchen-Polsterüberzug, ein Rest roter Jerseystoff, diverse Geschenkbänder und Kordeln, Hosengummi sowie ein paar Perlen und Knöpfe daran glauben. Außerdem ein möglichst geräuschintensives (sprich knisterndes) Obstsackerl und ein Stückchen gepresste Bastelwatte. Letztere beiden Dinge habe ich für das Innenleben des Schmusefetzens benutzt – dabei habe ich das Sackerl gut durchlöchert, damit später noch Luft durch das Knistertücherl kommt (was von Vorteil ist, wenn man bedenkt, dass es wahrscheinlich oft Mund und Nase des Babys bedecken wird).

Für das gewisse Extra habe ich innen ein kleines Tascherl gefüllt mit Miniperlen vernäht – damit es für den Tastsinn noch etwas Zusätzliches zu erkunden gibt. Zuerst wollte ich dafür Linsen oder Bohnen verwenden, nach kurzer Überlegung habe ich das aber wieder verworfen, da das Zutzldeckerl ja auch den Gang durch die Waschmaschine aushalten soll.

Damit das Baby auch mit voranschreitender Entwicklung noch etwas mit dem Raschelhangerl anfangen kann, lassen sich die Knöpfe durch ein Knopfloch bzw. eine Gummischlaufe ziehen – jetzt hama also auch noch die Motorik, Planungsfähigkeiten und räumliche Vorstellung dabei: die Ergotherapeutin in mir ist höchst zufrieden!

Das Ganze noch ruckzuck, wunderbar schief und und ohne Reue unperfekt  zusammengenäht, und fertig ist das wunderschönste Weihnachtsgeschenk der Welt – weil es mit Liebe gemacht ist  ❤ ❤ ❤

Aber wie soll ich es denn nun nennen? Welches Wort ist euer Favorit?

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FROHE WEIHNACHTEN!

 

Weihnachtsmann versus Christkind

Ich hab`s ja mit gewissen Traditionen. Ja, ich bin 35 Jahre alt, aber ich liebe es, zu Ostern Eier und Osternesterl zu suchen. Am Heiligen Abend möchte ich nicht das Wohnzimmer betreten, bevor das Glöckchen läutet. Und als meine Eltern einen neuen Plattenspieler gekauft haben, habe ich das ehrlich gesagt jahrelang schwer verkraftet, da die zerkratzte Schallplatte, die meine Schwester und ich während dem „Christbaum-Aufputzen“ immer gehört haben und die immer an derselben Stelle hängen blieb, plötzlich wieder anstandslos von Anfang bis Ende durchlief.

Zugegeben, mittlerweile hat sich doch einiges im Vergleich zu meiner Kindheit geändert – Weihnachten wird bald hier, bald dort gefeiert, und entsprechend hat jede Familie natürlich auch eigene Traditionen, bei denen z.B. meine außerordentlichen Baumschmückkünste gar nicht mehr gefragt sind; ganz abgesehen davon, dass ich von Kind auf eine Lametta- und Glitzerverweigerin bin und nur ein Christbaum im traditionellen Bauernstil mit viel Stroh, Holz, kleinen Apferln, Lebkuchen und Bienenwachskerzen für mich ein wahrer Christbaum ist. Ich kann aber mittlerweile durchaus damit leben, dass in anderen Wohnzimmern gerne mal eine Tanne ganz in gold, weiß oder lila erstrahlt. Übrigens: ich wette, dass die heurige Modefarbe bei Weihnachtsbaumschmuck bronze sein wird!

Manches wird sich aber garantiert nie ändern: bei uns kommt das Christkind und basta! Mit Anfang 20, wie das eben so ist, habe ich diese Meinung ja noch etwas radikaler kundgetan, und trug in der Weihnachtszeit gerne ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Santa murdered the Christkind“. Was meinerseits quasi als Anklageschrift gemeint war, um meiner Kritik an dem immer mehr Raum einnehmenden Weihnachtsmann Ausdruck zu verleihen, wurde allerdings mancherorts durchaus falsch verstanden bzw. inhaltlich gegenteilig ausgelegt: als Schlachtruf für den Weihnachtsmann!

Um Gottes Willen, das ging natürlich gar nicht. Das T-Shirt gibt`s sogar noch, aber getragen habe ich es seither nicht mehr.

Nachdem ich heuer zum ersten Mal Weihnachten als Mama feiere, frage ich mich, wie ich das in Zukunft regeln werde. Ich meine, ganz ehrlich: das ist heutzutage schon eine komplizierte Sache. Das Christkind kommt am Heiligen Abend mit Geschenken – huscht dabei aber so geheim herum, dass es niemals nie gesehen ward, egal wie sehr sich die Kinderaugen auch anstrengen mögen, zumindest ein bisschen Goldhaar zu erspähen. Im Gegensatz dazu ist der Weihnachtsmann jedoch ab November allgegenwärtig: von Film und Fernsehen bishin zu den Abbildungen am Adventskalender. Überall sehen die Kinder also den dicken bärtigen Mann in Rot die Geschenke an Weihnachten bringen. Manchmal bleibt der dabei sogar im Rauchfang stecken. Das Christkind wiederum, das dann überraschenderweise TATSÄCHLICH bei uns die Geschenke bringt (aber mit dem Rauchfang nix am Hut hat), soll gleichzeitig dasselbe sein, das als kleiner Babyjesus am 24.12. plötzlich in der selbstgebastelten Krippe auftaucht – so gesehen also doch sichtbar wird, aber ganz anders aussieht als das geschenkebringende blonde Engerl aus den Bilderbüchern, so ohne Flügel und Nachthemd und alles, und außerdem: Moooooment! Das Christkind sieht außerdem immer verdächtig nach Mädchen aus –  aber äh, Mama, ist Jesus nicht eigentlich ein Bub??

Bevor das Ganze in eine Transgenderdisskussion ausartet, kann man einfach das Thema wechseln und die Kleinen noch mehr verwirren, indem man darauf hinweist, dass der Weihnachtsmann bzw. Santa Claus eigentlich in Wirklichkeit der Nikolaus ist, der wiederum bei uns bereits am 6. Dezember seine Sackerl mit Nüssen, Mandarinen und Süßigkeiten bringt. Anstatt lustiger Pudelhaube, roter Pausbacken und dickem Bauch erwartet einen aber plötzlich ein meist eher hagerer, großer Mann in wallenden bischöflichen Gewändern, mit steifer Mütze und goldenem Stab und allem ehrwürdigen Drum und Dran, vielleicht noch mit Krampus im Anhang. Da schwirrt einem doch der Kopf, oder?

Wie  erklärt ihr das euren Kindern? Christkind ist der wahre Held, Weihnachtsmann nur der Hilfs-Tschackl (bzw. umgekehrt, für die Weihnachtsmannfans unter meinen LeserInnen)? Oder denke ich viel zu kompliziert und die Kinder nehmen das ohne zu Hinterfragen sowieso einfach so, wie es eben kommt?

I did some baking…

Weihnachten geht einfach gar nicht ohne Vanillekipferl. Drum wurde hier vor einer Woche fleißig gebacken, und weil ich schon dabei war, sind dann auch noch Lebkuchen entstanden. Und grüne Tannenbäumchen. Und scharf-fruchtige Energieblättchen. Und Kekse, die auch das Baby essen darf. Ich hatte wohl grade einen Run.

Ich hab`s im Allgemeinen beim Essen leider nicht so mit der Optik. Ich bewundere Menschen, die es schaffen, Speisen hübsch anzurichten. Oder diese mini-futzi-kleinen Keks-Meisterwerke zu backen. Ob ihr`s glaubt oder nicht: da hab` ich einfach keine Geduld dafür. Schmecken müssen sie. Aber wer weiß, vielleicht kriege ich das mit dem Gut-Aussehen irgendwann auch noch hin.

Jedenfalls, ich sage euch (das klingt jetzt schon fast ein bisschen nach Weihnachtsevangelium): diese Vanillekipferl sind ein Traum. Das Geheimnis: erstens Butter, Butter und nochmals Butter :-D. Vor lauter Butter muss man aufpassen, dass  die Dinger erst auf der Zunge zergehen und nicht schon im Ofen. Und zweitens: echte, frische Vanille benutzen! Nachmachen auf jeden Fall schwerstens empfohlen. Nachdenken über die Kalorien nicht.

Mit Lebkuchen hab` ich mir in den letzten Jahren immer etwas schwer getan, aber dieses Jahr ist offenbar der Knopf aufgegangen – an der Lebkuchenfront gibt es einen durchschlagenden Erfolg zu vermelden!

Neben den Klassikern wollte ich aber auch mal was Neues ausprobieren: Kekse mit Superfood! Aber ich versuche jetzt erst gar nicht so zu tun, als wären diese Kekse deswegen gesünder. Naja, vielleicht bilden all die Antioxidantien einen ausgleichenden Gegenpol gegen den restlichen Keksteig :-). Die Kekse sind nämlich trotzdem ziemliche Butter- und Zuckerbomben. Damit führe ich den ganzen Superfoodgedanken natürlich wieder ziemlich ad absurdum. Aber ich muss gestehen, meine Familie hat ein bisschen ein Trauma von der Vollkornphase meiner Mama in den Achtzigern – 1-2 Jahre lang gab es einfach alles nur aus selbst gemahlenem Vollkornmehl, von der Palatschinke bis zum Kuchen, bis es uns grad nur noch so bei den Ohren rausgestaubt ist.

Ich bin ja durchaus sehr für gesunde Küche und Vollwertkost. Aber ganz ehrlich: nicht dauernd und vor allem nicht zu Weihnachten. Da wird bitte geklotzt, nicht gekleckert, kalorienmäßig. Daher keine Leinsamen-Chia-Grünkohl-Kekse für uns. Nur ein bisserl Matcha für die schöne grüne Farbe und ein bisserl Chi für die Ingwer-Ananas-Geschmacksexplosion.

Nächstes Jahr ist es dann auch fürs Baby soweit und es darf von mir aus auch in ein Vanillekipferl beißen. Heuer gibt`s allerdings noch die asketische Variante: BLW-geeignete Kekse ohne Zucker, dafür mit Dinkelvollkornmehl und Reisflocken. Was soll ich sagen…er ist zufrieden 🙂

Viel Spaß beim Nachbacken!

 

REZEPTE:

 

Honiglebkuchen

50g warmen Honig mit 2 Eiern aufschlagen. 150g Roggen fein mahlen. 100g Mandeln reiben. Alles mit 150g Weizenmehl, 200g Rohzucker, 1 TL Zimt, 1/4 TL Lebkuchengewürz, 1 Prise Vanillezucker, 1 Prise Muskatnuss, Schale einer Biozitrone und 1 TL Weinsteinpulver zu einem Teig verkneten.

Den Teig 1 Stunde kühl stellen. Kleine Kugeln formen und flach drücken. Mit 1 verquirltem Ei bestreichen und jeweils einen Pinienkern in die Mitte setzen.

Bei 180° ca. 15 Minuten backen.

 

Vanillekipferl

1 Vanilleschote in der Mitte schlitzen. Das Mark auskratzen und die Schote trocknen.

70g Mandeln und 30g Walnüsse reiben.

80g Staubzucker sieben.

280g Mehl sieben.

220g kalte Butter in Stückchen schneiden.

Butter mit Staubzucker, 1 Prise Salz und dem Vanillemark glatt kneten. Nüsse einarbeiten. Teig auf einem Blech mit dem Mehl zu Streuseln verarbeiten.

1 Stunde kühl stellen. Den Teig portionsweise aus dem Kühlschrank nehmen, kleine Stücke abschneiden und Kipferl formen. Nochmals 10 Minuten kühl stellen.

Bei 160° 15-20 Minuten backen.

Die getrocknete Vanilleschote mit 200g Zucker zu Vanillepuderzucker vermixen, und die noch heißen Kipferl darin wenden.

 

Matcha-Tannenbäumchen

300g Mehl, 200g Butter, 100g Vanillepuderzucker (hier könnt ihr den Rest von den Vanillekipferln verwenden), 1 Eidotter, etwas Zitronenschale, 1 Prise Salz und 2 EL Matchatee* zu einem Mürbteig verkneten.

1 Stunde kalt stellen. Teig dünn ausrollen, Tannenbäumchen ausstechen und mit Hagelzucker-Schneeflöckchen bestreuen.

Bei 180° ca. 10 Minuten backen.

 

Energie-Blättchen

1 Eiklar (bleibt von den Tannenbäumchen übrig) mit 35g Zucker leicht steif schlagen. 35g Staubzucker und 1 Fläschchen RINGANAchi* unterheben. Mit einem Teelöffel kleine Kleckse auf ein Backblech setzen und mit Kokosflocken bestreuen.

Bei 180° ca. 15 Minuten backen.

 

zuckerfreie Baby-Kekse

75g Dinkel mahlen.

75g Reis mit der Hand zu Flocken quetschen. Nein, Scherz – ich wollte nur mal testen, wer bis hierher aufmerksam gelesen hat ;-). Dafür habe ich eine Flockenquetsche (FlicFloc). Man kann aber natürlich auch fertige Reisflocken kaufen. Generell ist aber frisches Mahlen und Flocken von Getreide am besten, weil nur dann die Vitalstoffe vollwertig erhalten sind und nicht „weg-oxidieren“.

1/2 Banane, 1/4 -1/2 Birne (je nach Größe), Reisflocken, Dinkelmehl und 50ml Sonnenblumenöl vermixen. Kleinfingergroße Stangerl formen, sodass das Baby gut selbst danach greifen bzw. die Kekse festhalten kann.

Bei 180° ca. 20 Minuten backen.

 

*Matchatee und RINGANAchi sind über meine Partnerseite im Webshop erhältlich (Link rechts oben)

Upcycling – der DIY Adventskranz!

Sapperlot. Dass diese Jahreszeit immer so schnell verfliegen muss. Kaum hat man die Martinigans gebraten, muss auch schon der Adventskranz her.

Kurz spiele ich mit dem Gedanken, mir Daxen zu besorgen und mich im Kranzbinden zu versuchen, lasse es dann aber doch ob meiner völligen Unkenntnis desselben bleiben. Immerhin braucht man auch noch Ziele im Leben. Und Kranzbinden zu lernen eignet sich wunderbar als Ziel, finde ich, besonders als eines, das ganz weit in der Ferne liegt.

Ich entscheide mich stattdessen für einen Upcycling-Adventskranz. Zwar genaugenommen ohne Kranz, aber dafür mit ganz viel Krempel gemacht, der ohnehin bei uns zuhause rumkugelt. Eine einfache Lösung, wie ich im ersten Moment erfreut denke. Und eine großartige Gelegenheit, mich meinen Blogleserinnen und -lesern als handwerklich versierte, geschickte und kreative Dekoqueen sowie nachhaltig denkende Zero-Waste-Kapazunderin zu präsentieren. Perfekt!

Dass das dann doch so ein G´frett wird mit dem Nicht-Kranz, dem bockigen, kann ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht wissen.

Zunächst krame ich in der Abstellkammer nach vier alten Schraubgläsern.

An dieser Stelle verrate ich euch meinen ultimativen Trick, um Etiketten von Schraubgläsern zu lösen: Etiketten in Wasser einweichen, ablösen und den eigentlichen Teufel – das pickerte Zeug darunter – einfach mit Speiseöl abreiben. Mit Spülmittel nachputzen, fertig.

An dieser Stelle verrate ich euch, dass der Trick doch nicht so ultimativ ist. Funktioniert er bei den ersten drei Etiketten noch wunderbar, so scheitere ich am vierten (das auf irgendeine gemeine Art beschichtet ist) kläglich. Ich kletzle also eine Viertelstunde, bis das depperte Ding endlich unten ist.

Ich schmelze meine gesammelten Wachsreste im Wasserbad (und stelle dabei fest, dass ich offenbar eine Vorliebe für rote Kerzen hege – ausschließlich rote Wachsreste im Sackerl!!).

Währenddessen überlege ich, wie ich mein Docht-Problem lösen kann, das eher ein Kein-Docht-Problem ist. Sowas hab` ich nämlich üblicherweise nicht zuhause. Kerzen ohne Docht sind aber, wie ich als allgemein bekannt voraussetze, eher sinnentleert. Das ist nicht so wie die Sache mit dem Adventskranz ohne Kranz – der ja trotzdem funktioniert. Sondern eher wie die Keksdose ohne Keks – was überhaupt nicht funktioniert, wenn ihr mich fragt.

In der Not wird der Mensch erfinderisch, und ich beschließe statt Docht vier Geburtstagskerzerl in die neu zu gießenden Kerzen einzuarbeiten. Mein Mann – der im Allgemeinen recht g`scheit ist – meint zwar, wir werden an den Adventsonntagen nach 2 Minuten im Dunkeln sitzen, da so Geburtstagskerzen ja uuurschnell abbrennen. Ich halte dagegen, dass die Brenndauer nicht so sehr vom Docht, sondern von Masse und Qualität des Wachses abhängt. Wer in dieser physikalischen Streitfrage Recht behält, wird sich weisen.

Nun ein Tipp am Rande: egal ob ihr nun richtigen Docht benutzt oder Geburtstagskerzen – es empfiehlt sich NICHT, dasselbige einfach nur in das Gefäß zu halten und freudestrahlend das Wachs hineinzugießen, anschließend ein bisschen blöd aus der Wäsch zu schauen, weil das Zeug ewig nicht hart wird und ihr den Docht nicht loslassen könnt, ihr es daher auf die Terrasse tragt, gleich wieder reingeht, weil ihr draußen zu sehr friert und das Wachs trotzdem flüssig bleibt, wohlgemerkt immer aufpassend, das heiße Wachs nicht auf den Wohnzimmerboden zu tropfen und euch gleichzeitig nicht am Glas zu verbrennen, und DANN erst eine Wäscheklammer oder einen ähnlichen Behelf zu holen, mit dem ihr den Docht oben am Glas fixieren könnt.

NEIN, ihr macht letzteres bitte VORHER.

Dass mir hinterher die blöden Klupperl noch dreimal ins Glas rutschen und ich fluchend im heißen Wachs danach fischen muss, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt und soll nun keines weiteren Wortes mehr gewürdigt werden.

Als geradezu winziges Ärgernis erweist sich der Umstand, dass das Wachs während des Erhärtens mittig nach unten sinkt, woraufhin ich sämtliche bereits weggeräumte Utensilien wieder hole, weiteres Wachs schmelze und die trichterförmige Mulde auffülle. Auch danach muss man sagen: glatt und schön ist anders, aber es geht.

Was jetzt kommt, ist gegen die Prozedur davor nur noch ein Klacks: Spagat, weißen Filz, Bockerl, Schneespray und Golddraht schnappen und einfach drauflosdekorieren!

Wer meine Odyssee bis hierher durchgehalten hat, wird nun mit einem Bild meines „Meisterwerks“ belohnt:

adventskranz

 

Mein Mann – der ja im Allgemeinen recht g`scheit ist – meint, wir werden am vierten Adventsonntag nach 1 Minute im Dunkeln sitzen, da die Flamme von Lichtlein Nr. 4 nach kurzer Zeit zuwenig Sauerstoff abbekommen wird.

Ich glaube im Geheimen, dass uns schon nach 20 Sekunden sämtliche Dochte absaufen werden.

Wer wird wohl recht behalten? Was wird weiter passieren? Ich halte euch auf dem Laufenden. Das Leben ist so aufregend!