Wochenbett beim 1. und beim 2. Kind – das wird anders!

Baby und Kleinkind
Baby und Kleinkind

Könnt ihr euch noch daran erinnern, als ihr euer erstes Baby nach Hause gebracht habt? Wie ihr auf Zehenspitzen durch die Wohnung geschlichen seid, um den schlafenden Schatz nicht zu wecken? Bei jedem Mucks besorgt in den Stubenwagen äugend? Wie ihr nachts beim ersten Anzeichen einer Unruhe sofort hellwach wart? Ihr euch und das Baby zum nächtlichen Stillen aufwändig auf Pölstern und Stillkissen gelagert habt und kein Auge mehr zutatet, bis das Kind pappsatt von eurer Brust und wieder in tiefen Schlaf gefallen war? Besuch wusch sich noch vorm allerersten Blick  auf den Neuankömmling die Hände, alle machten dauernd: „Psssst“ und trauten sich gar nicht dieses zarte Geschöpf hochzunehmen, könnte es doch brechen wie ein rohes Ei. Menschen mit dem leichten Anflug eines Schnupfens wollten die Wohnung erst gar nicht betreten, sollten doch Keime von dem ungeübten Immunsystem möglichst ferngehalten werden. Schnuller, die auf den Boden gefallen waren, und andere Babyutensilien wurden ausgekocht oder zumindest vor nächstem Gebrauch sorgfältig abgewaschen.
Wisst ihr noch, wie ihr tagsüber mit eurem Baby am Bauch auf der Couch geschlafen habt, im Hintergrund der leisen Klassik-Compilation für Babys lauschend? Wie ihr beim Stillen eurem Baby tief in die Augen geschaut und dankbar dabei zugesehen habt, wie es dabei seelenruhig einschlief?

Stimmt ja, so war das also damals. Zur Zeit habe ich hier ein 6 Wochen altes Baby und einen 2 1/2-Jährigen mit immer schmutzigen Fingern zuhause. Mit denen fährt er vorzugsweise dem kleinen Bruder wahlweise ins Auge oder in den Mund. Als wir von der Entbindung nach Hause kamen, erwartete uns ein dauerhustendes Kind mit einer eitrigen Bindehautentzündung, ein Mitbringsel aus dem Kindergarten. Soviel zum Thema Keime.
Schläft das Baby im Stubenwagen, wird garantiert entweder die Kindertrommel direkt daneben in Betrieb genommen oder lauthals „Die Räder vom Bus drehen sich rundherum“ geplärrt. Während dem Stillen ist man meist nebenher damit beschäftigt, eine Unterhose hochzuziehen, eine Rotznase abzuwischen oder „Nein, leg das wieder hin, das ist gefährlich“-rufend hinter einem kichernden Energiebündel herzurennen, das Baby am Arm balancierend, immer darauf bedacht, dass dem Würmchen die Brustwarze nicht aus dem Mund rutscht.
Was ich mache, wenn wir schlafend auf der Couch liegen? Ich verstehe die Frage nicht – tagsüber schlafen?? Nie davon gehört. Sollten wir jedoch mal zumindest stillend auf der Couch liegen, kraxelt ein kleines Etwas über uns drüber, und ich bemühe mich darum, dass kein Haxen im Gesicht des Babys landet. Daneben Dauerbeschallung durch irgendein Plastikklumpertspielzeug, die folgende 3 Fragen in mir aufkeimen lässt:
Wer denkt sich eigentlich diese grenzdebilen Texte aus („Bananen machen mich stark, auch für den Park“)? Wie fühlt sich wohl ein ausgebildeter Sprecher oder Sänger, der diesen Blödsinn einsingen muss? Und zum Henker: was haben diejenigen, die diese batteriebetriebenen blinkenden und lärmstiftenden Spielzeuge entwickeln, eigentlich gegen uns Eltern?!
Beamt sich der kleine Knopf grade beim Stillen weg, fällt dem Älteren nichts Besseres ein, als direkt neben dem kleinen Babyohr ein fröhliches Quietschen loszulassen. Weint das Brüderchen daraufhin, wird versucht es zu trösten: mit nicht allzu sanftem „Tanzenlassen“ des Armes (aka wildes Herumreißen), Streicheln des Kopfes (wobei manchmal oben genannter Finger im Aug` landet) und unzähligen Bussis (manchmal gar leidenschaftlich).
Ist das Gefühl der Liebe übermannend, möchte der  2-Jährige das Baby unbedingt auf dem Schoß halten, selbstverständlich alleine und ohne Hilfe, eine Hand krallt sich in den Bauch, die andere drückt das Köpfchen gegen den eigenen Körper. Ist die Liebe zu einem Keks übermannender, wird der Bruder mir nichts dir nichts runtergeschubst.
Macht das Baby einen unzufriedenen Mucks, hört man es eventuell zunächst mal gar nicht, immerhin steht man grad mit dem älteren Kind nach einem gröberen Windelunfall unter der Dusche, oder ist mit Nägelschneiden beschäftigt, was so lautes Gebrüll auslöst, dass das zarte Plärren des Babys glatt untergeht.
Generell lässt die Reaktionsfähigkeit nach – nachts wacht man nicht schon beim ersten unzufriedenen Schnaufen auf, sondern erst, wenn das kleine Bündel neben einem schon einigermaßen empört ist. Großartige Umbauaktionen mit Stillkissen & Co.? Vergiss es, das muss so nebenher im Liegen gehen, damit man in dem Moment weiterschlafen kann, in dem das Andockmanöver erfolgreich war.

Was man daraus lernt? So ein Baby hält mehr aus als man denkt. Und: wie gut dass wir schon in Ruhe mit Baby Nr. 1 üben konnten 😉 – denn auch wenn man einerseits das Gefühl hat, alles wieder vergessen zu haben, findet man doch schnell wieder in eine Routine und tut vieles intuitiv (wobei diese „Intuition“ wahrscheinlich in Wirklichkeit Erfahrung ist). Und das entspannt – trotz aller Turbulenzen.
Ich muss dann mal gehen: mein Kleinkind versucht gerade dem Baby den vorher genüsslich im Kakao gewälzten und dann abgeleckten Schnuller in den Mund zu stopfen. So long…

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