Kein Talent für Fingerfood? Diese BLW-Rezepte funktionieren trotz nervösen Eltern und kaufaulen Babys

babygeeignete Speisen
Brokkoli und Fisch

Hmpf. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Als die Beikostreifezeichen mit knapp 6 Monaten beim Schnurbel erfüllt waren, konnte ich es schon kaum mehr erwarten, DAS neue Ding, das Non-Plus-Ultra oder wenn ihr so wollt: den heißen Scheiß im Beikost-Universum auszuprobieren: Baby-led Weaning bzw. „Breifrei“. Kurz: ich war voll motiviert. Mein Baby allerdings nicht.

Wobei. In den Mund gestopft hat er sich alles, voller Freude. Motivation also durchaus gegeben. Allerdings anstatt einfach genüßlich an den Gemüsesticks zu lutschen und sie häppchenweise wieder elegant aus dem süßen Mündchen gleiten zu lassen, so wie es sich für einen ordentlichen BLW-Neuling gehört, hat unser Kleiner gleich reingehauen wie ein Mähdrescher. Ausspucken?? Niemals! Abbeißen und sofort alles runterschlucken – das war es, was der Frechdachs wollte. Eating under 1 year is just for fun? In diesem Aspekt ist unsere kleine Kicherebse offenbar humorlos.

Ein paar viertel Erstickungsanfälle seitens des Babys und halbe Herzinfarkte seitens der Eltern später musste ich im Laufe der Wochen einsehen: ich habe wohl kein typisches Breifrei-Baby.

Experimentiert habe ich in den letzten Monaten dennoch weiterhin – und dem kleinen Nimmersatt nebst Busen und Brei immer wieder neue Kreationen an Fingerfood angeboten. Jetzt, mit mittlerweile 10 Monaten sind schon einige Zähne da – und siehe da, jetzt wird`s langsam was mit dem Kauen 🙂

Habt ihr auch ein Baby, dem selbst die immer gern empfohlenen BLW-Klassiker zu schaffen machen?Ofengemüse – geht nicht wegen der knusprige Schale. Gedämpfte Gemüse- und Obststicks – da wird ordentlich gewürgt und ihr findet die Teile 1 zu 1 in der Windel wieder. Orange – so eine lästige Haut! Nudeln – lösen sich blöderweise nicht von selbst im Mund auf. Birne – muss schon fast der Gärung nahe sein, damit sie auch nur annähernd weich genug ist. Faschierte Laiberl – kannst du vergessen, da wird sich an den „zachen“ Fleischkugerln verschluckt, so mini sie auch sein mögen. Und so weiter.

Wenn ihr euren Kindern aber dennoch von Anfang an Selber-Essen am Familientisch ermöglichen wollt, dann hab ich hier ein paar Ideen für euch, die bei uns tatsächlich immer funktioniert haben, ohne dass wir Eltern schweißgebadet daneben gesessen sind. Letztendlich werdet ihr sehen, dass es sich in vielen Fällen schlicht und einfach um Brei in einer etwas festeren Variante handelt, der zu Bällchen, Talern und Stangerln geformt wird. Anfangs, als der Kleine sowas nur zerquetscht hat, habe ich das Essen in die Hand genommen, er hat wiederum meine Hand geschnappt und den Bissen auf diese Weise in den Mund gesteckt. Mit der Zeit konnte er seine Motorik immer mehr kontrollieren und seine Kraft besser dosieren, und hat es somit bald alleine geschafft, sich das Zeug in den Mund zu schaufeln.

Gemüse- und Obst

Gemüsesticks gingen bei uns in den ersten Wochen nur in Form von gedämpftem Kürbis gut – ohne Schale. Auch Kürbisschnitzel sind gut angekommen (rohe Kürbissticks nacheinander in Mehl, Ei und Semmelbrösel wenden und in der Pfanne herausbacken). Gedämpfte Zucchini (anfangs ebenfalls geschält) und Brokkoli haben sich dann bald dazugesellt. Bei Obst war lange Zeit ausschließlich sehr reife Banane möglich, oder aus der Haut gelöste Orange.

Babykekse

Selbstgebackene Babykekse aus püriertem Getreide- und Obstbrei sind eine wunderbar softe bis gatschige Angelegenheit, mit der unser Schnurbel von Anfang an gut zurechtgekommen ist. Im Grunde nehmt ihr ein Getreide in Form von Mehl oder Flocken eurer Wahl, vermixt es mit Obst eurer Wahl, gebt etwas Öl oder Butter hinzu und klatscht es in Häufchen aufs Backblech. Nach 15-20 Min. bei 180° sieht das Ergebnis zwar immer noch nicht unbedingt ansprechend aus, schmeckt aber offensichtlich trotzdem. Die Konsistenz ist einfach perfekt für ungeübte Selberesser: griffig, aber sehr weich.

Oft verwerte ich auch Reste von Frühstücksbrei auf diese Art und Weise zu Keksen, eventuell rühre ich noch ein bisschen Backpulver mit rein – so muss ich nichts wegschmeißen und wir haben noch einen kleinen Snack für den Nachmittag.

Gemüsepudding („Flan“)

Püriertes gekochtes Gemüse (ideal ist z.B. Brokkoli) mit Ei und etwas Schlagobers vermischen, in ein gefettetes Backförmchen geben, und bei 180° im Wasserbad im Rohr pochieren, anschließend stürzen und in Scheiben schneiden.

Getreide-Gemüse-Bällchen

Hirse, Polenta, Hafer-/Dinkelflocken oder Couscous kochen, mit püriertem Gemüse und etwas Öl mischen und zu Bällchen formen. Können gleich verputzt oder noch kurz angebraten werden. Auch gekochtes und püriertes Fleisch oder Fisch könnt ihr hier gut mit verarbeiten.

Gemüse-Nuss-Taler

Eine kleine Menge Flohsamen in etwas Wasser einlegen, bis die Flüssigkeit zu einem Gel geworden ist. Gemüse (z.B. Karotte, Sellerie, Kohlrabi) mit Haselnüssen fein vermixen. Flache Taler formen, auf ein Backblech setzen und 25 Min. bei 180° backen.

Reibekuchen (Gemüsepuffer)

Also gaaaanz am Anfang habe ich nur Gemüse-Püree zu Puffern gebraten – aber relativ bald ging da auch der klassische geraspelte Kartoffelpuffer. Funktioniert auch mit Karotte oder Sellerie!

Waffeln, Brot, Pancakes & Muffins

Alles, was aus weichem Teig besteht, ist von Anfang an gut gegangen und erfreut sich bis heute größter Beliebtheit. Brot ohne Rinde wird reingestopft ohne Ende, dasselbe gilt für fluffige Waffeln, flaumige Pancakes und saftige Muffins in den verschiedensten Varianten. Hier könnt ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen: einfach Mehl, Ei, etwas Öl/ Butter, Backpulver, Gemüse- oder Obstmus/ Beeren, ein Schuß Milch und ein Schuß Mineralwasser zu einem dickflüssigen Teig vermixen und zu was-auch-immer verbacken!

Wie ihr seht, gehe ich bei der Kocherei fürs Baby eher pi mal Daumen vor, anstatt mich an genaue Mengenangaben oder Rezepte zu halten – man kriegt das mit der Zeit auch ins Gefühl. Mal wirds fester, mal wirds ein Gatsch – essbar ist es immer! Grob gesagt gilt: je mehr Obst- oder Gemüsebrei ihr beifügt, desto matschiger wird das Zeug – was zwar eine Riesensauerei ist, aber bei im Kauen ungeübten Babys nur von Vorteil ist.

Tun sich eure Babys auch nicht so leicht mit Fingerfood? Und was hat außer klassischem Brei bei euch von Anfang an funkioniert?

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