Aluminium, Palmöl, Fluorid & Plastik – was ist dran an den Schreckgespenstern 2.0? Teil I

Aluminium
Aluminium

 

„Neulich habe ich festgestellt, dass Naturkosmetiksonnencremes Aluminium  beinhalten – ich war so schockiert, jetzt schmiere ich meine Kinder lieber gar nicht mehr ein!“

„Laut codecheck ist in meiner Gesichtspflege Palmöl drin. Geht ja gar nicht!“

„Oh Gott, mein Kinderarzt hat uns Fluor-Tabletten (sic!) verschrieben. Ich vergifte doch nicht mein Kind mit diesem Dreckszeug.“

„Bio hin oder her – das ist in einer Plastikflasche, sowas kauf ich nicht.“

Als vielseitig interessierter, nachhaltig denkender und Inhaltsstoffe kritisch hinterfragender Mensch kommt man heutzutage nicht umhin, regelmäßig solche Sätze in entsprechenden Facebook-Diskussionen zu lesen.

Das Engagement dieser Personen in allen Ehren – ich zähle mich selber zu den Bio-Aficionadas, und ich finde es großartig, dass die Menschen nicht mehr einfach alles so hinnehmen, wie es ihnen die Werbung und Großkonzerne vor den Latz knallen – aber teilweise nimmt das schon Blüten an, da fühle ich mich als Mensch, der immer den Ausgleich und die Mitte sucht, einfach bemüßigt gegenzusteuern.

Nicht dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, und ich bin weder Chemikerin, Ernährungswissenschaftlerin, Medizinerin, Pharmazeutin oder sonst irgendwie einschlägig ausgebildet. Aber GERADE deswegen muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass Google keine jahrzehntelange Forschungstätigkeit ersetzt, Facebooklinks nicht immer seriös sind und der Umstand, dass ich zehn Artikel über ein Thema gelesen habe, mich noch lange nicht zur Expertin macht.
Kurz: gerade WEIL ich keine Ahnung habe, muss ich die Sache differenziert betrachten. Und manchmal fällt es mir durchaus schwer, „liebgewonnene“ Konstrukte wieder zu verwerfen, einfach weil ich zugeben muss, dass ich zwielichtigen Quellen auf den Leim gegangen bin, ich einseitig und zu oberflächlich informiert war oder sich schlicht und einfach mittlerweile andere Theorien plausibler darstellen.

Manchmal scheitert`s einfach an der Komplexität der Thematik. Einfache Antworten sind halt um so viel praktischer als komplizierte. Stoff A gut, Stoff B böse. So hätten wir`s gern, denn so würden wir uns als Nicht-ExpertInnen und einfache KonsumentInnen viel leichter tun.

Nur das spielt`s leider in der Natur nicht. Und in der Chemie auch nicht. Und da fängt die erste Konfusion schon mal an: spricht man davon, dass organischer Schwefel so gesund ist, sind die Menschen begeistert. Empfiehlt man ihnen, Methylsulfonylmethan einzunehmen, denken sie, man wolle sie vergiften. Ist aber dasselbe. Auch Wasser kann wahnsinnig gefährlich klingen – wenn man es Dihydrogenmonoxid nennt.

Das ist jetzt ein alter Hut, aber dennoch habe ich manchmal den Eindruck, dass das noch nicht bei allen angekommen ist: die ganze Natur besteht aus Chemie. Es gibt nichts, das nicht Chemie ist. Sie ist allgegenwärtig, und deswegen sollte man sich von solchen Worten, so befremdlich sie auch klingen mögen, nicht gleich abschrecken lassen.

Jetzt fasse ich mich mal selbst an der Nase, denn ich habe auch immer wieder gern so knackige Slogans wie „Natur statt Chemie“ oder „ohne chemische Inhaltsstoffe“ verwendet  – und bemerke jetzt, wie ich dadurch zu dieser Verwirrung und Desinformation der Menschen beigetragen habe. Für mich war zwar immer klar, dass ich in dem Zusammenhang Chemie als „künstlich“, also quasi abkürzend „nicht aus der Natur, sondern aus dem Chemielabor stammend“, gemeint habe – aber bei manchen entsteht dann wohl ein falsches Bild. Und Worte sind mächtig. Daher bemühe ich mich jetzt darum, statt „chemisch“ das Wort „synthetisch“ zu verwenden.

In meinen nächsten Blogbeiträgen möchte ich gerne auf die einzelnen oben zitierten Sätze eingehen und die Thematik differenziert angehen – was davon ist wahr, was davon ein Missverständnis? Sehr häufig liegt die Antwort irgendwo in der Mitte und hängt von vielen Faktoren ab, soferne ich das beurteilen kann.
Heute starten wir mal mit dem Schreckgespenst Nr. 1 in meiner Liste: dem Aluminium.

Aluminium in Sonnencremes, Deos und Nahrungsmitteln

Ich muss gestehen: Aluminium ist in den letzten Jahren dermaßen verteufelt worden, dass es mich auch zunächst geschreckt hat, als ich das Wort in der INCI-Liste meines heißgeliebten Sonnenschutzbalsams erspäht habe. Und ich bekomme diesbezüglich auch immer wieder irritierte Nachfragen seitens meiner KundInnen.

Erste Reaktion meinerseits: Cool, die Leute fragen nach! Die kaufen nicht mehr unreflektiert jeden Schmarren.
Die Medien tragen einen wichtigen Teil dazu bei, dass sowas wie „Aluminium in Deos ist Scheiße!“ zum Allgemeinwissen wird.

Die Krux an der Sache ist nur, dass Medien dazu neigen, die Dinge recht einfach und plakativ darzustellen, damit es ja auch in den Köpfen der Menschen ankommt. Dann wird das in Foren, auf Facebook und Blogs (schuldig!) so oft wiedergekäut, bis es auch noch beim letzten Zweifler bombenfest sitzt.
Und so eine ultimative neue „Wahrheit“ dann aus den Gehirnen wieder „rauszudifferenzieren“, ist echt schwer.
Im Falle der Sonnencremes kann das offenbar so weit gehen, dass manche Menschen sogar eher riskieren, dass ihre Kinder später an Hautkrebs erkranken, als Sonnencreme zu verwenden. Und das obwohl die kanzerogene Wirkung der Sonne bewiesen ist, wohingegen die gesundheitsschädliche Wirkung von Aluminium zwar im Raum steht, aber letzlich noch gar nicht geklärt ist. So gesehen wäre das Aluminium ja zumindest das kleinere Übel, wenn man mich fragt. Wobei es nicht einmal ein Übel sein muss, aber dazu komme ich später noch.
Jedenfalls debattieren sich dann die Fachleute um Kopf und Kragen, um so entstandene Ängste und Mythen wieder aufzulösen bzw. zumindest ins rechte Licht zu rücken.

Aluminium ist nämlich nicht Aluminium.

Wenn vom „bösen“ Aluminium in Kosmetik die Rede ist, müsste man korrekterweise von „Aluminiumsalzen“ oder Aluminiumhydroxychlorid sprechen. Das sind wasserlösliche Verbindungen, die Aluminium freisetzen können, was äußerst bedenklich ist. Das ist das klassische „Deo-Aluminium“.

Allerdings gibt es auch wasserunlösliche, sogenannte inerte Aluminiumverbindungen, wie z.B. Alumina oder Aluminiumoxid – diese sind so stabil miteinander verbunden, dass das Aluminium nicht freigesetzt werden kann. Diese Art von Aluminium wird z.B. in mineralischen Sonnencremes eingesetzt, um die Lichtschutzpartikel zu ummanteln und die Creme streichfähig zu machen.

Das heißt, es kommt darauf an, in welcher Form das Aluminium daherkommt, ob es für unseren Organismus bedenklich ist oder nicht. Ein anderes Beispiel dafür, wie wichtig es ist sich die Art der chemischen Verbindung anzuschauen, ist Chlor. Chlor als alleiniges Element ist hochgiftig. Allerdings gibt es stabile Verbindungen, in denen wir es problemlos zu uns nehmen können. Eine davon essen wir sogar permanent. Und zwar Chlor in der Verbindung mit Natrium: Natriumchlorid = Speisesalz. Isoliertes Natrium ist übrigens hochexplosiv. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich hatte noch nie eine Salzvergiftung oder bin beim Essen explodiert. Gottlob.

Aluminiumoxid ist also, auf die Haut aufgetragen, vollkommen unbedenklich und selbstverständlich naturkosmetikkonform. Allerdings sollte man vorsichtshalber Sonnencremes mit Nanopartikeln vermeiden, da letztere so winzig sind, dass noch nicht geklärt ist, ob diese nicht doch in unseren Organismus gelangen können. Also im Zweifelsfall gegen den Angeklagten entscheiden, und eine rein mineralische Sonnencreme ohne Nanotechnologie wählen (z.B. RINGANA Sonnenschutzbalsam, Eco Cosmetics Sonnencreme).

Aluminium ist das dritthäufigste Element der Erdkruste. Es kommt in Tonerde vor, in Edelsteinen wie Saphiren und Rubinen (auch Korund genannt), in Gneis und Granit. Da es in der Erde quasi omnipräsent ist, beinhaltet so gut wie jedes natürliche Lebensmittel auch Aluminium. Was an sich auch noch nicht so das Problem wäre, da dies trotzdem noch vergleichweise geringe Mengen sind. Und was wäre die Alternative? Nix mehr essen ist wohl genausowenig die Lösung wie nur mehr synthetisch hergestellte Nahrung zu uns zu nehmen.

Da unsere Böden aber leider immer säurehaltiger werden, nehmen Pflanzen vermehrt Aluminium auf (Säure und Salze lösen Aluminium). Bereiten wir säure- bzw. stark salzhaltige Lebensmittel außerdem in billigem Geschirr zu, grillen auf Alutassen, wickeln Reste in Folie ein oder trinken Säfte aus Aluflaschen, so nehmen wir unter Umständen schon allein über unsere tägliche Ernährung eine bedenkliche Menge an Aluminium in uns auf.

Fazit: Wir sollten uns dafür einsetzen, dass unsere Böden nachhaltig und biologisch bebaut werden, indem wir entsprechende Produkte kaufen und so Angebot und Nachfrage beeinflussen. Wir sollten auf hochwertiges, alufreies Geschirr im Alltag achten. Wir sollten Aluminiumsalze bzw. Nanopartikel in Kosmetik vermeiden. Wir sollten uns aber definitiv vor zu intensiver Sonneneinstrahlung schützen – und wer das nicht mit den üblichen synthetischen, hormonell wirksamen UV-Filtern machen möchte, ist mit nanofreien mineralischen UV-Filtern bestens beraten.

PS: Die nächsten Male traue ich mich über die Themen Palmöl, Fluorid (davor fürcht ich mich schon…) und Plastik.

2 Kommentare zu „Aluminium, Palmöl, Fluorid & Plastik – was ist dran an den Schreckgespenstern 2.0? Teil I“

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