„Oje, ich wachse!“ oder doch einfach nur „Oje?!“? – Achtung: keine Werbung ;-)

Zur Geburt habe ich vor einem Jahr von einer lieben Freundin und selbst Neo-Mama das Buch „Oje, ich wachse“ geschenkt bekommen.
Beim ersten Durchblättern war ich sehr angetan. Die Idee, dass ein Baby immer dann eine schwierige Phase durchmacht, wenn es gerade etwas Neues lernt, also einen Schub durchmacht, fand ich schlüssig und entspannend. Ich meine, wie geil ist das denn? Plötzlich ist das Baby nicht mehr einfach nur ein Grantwuzel, eine Lästwanze oder eine Krätze, sondern du kannst dir denken: „Hey, cool! Der ist dermaßen schlecht gelaunt, der lernt grad sicher was Uuurwichtiges!“ Ist doch gleich viel leichter auszuhalten.

Aber was nun, wenn das Baby mehr oder weniger monatelang zufrieden schläft, stillt, sich die Welt anschaut und kaum weint? Herrschaftszeiten, überall um einen herum scheinen alle Babys zu „schuben“, aber das eigene lernt offenbar gar nix, weil Schub ist weit und breit keiner in Sicht?!? Da denkt man sich dann schon mal: jössasna, die anderen Babys müssen alle Intelligenzbolzen werden, während unseres wahrscheinlich noch mit 5 Jahren zufrieden mit dem Löffel auf den Topf haut.

Nein im Ernst: unser Baby hat sich als das entspannteste und ausgeglichenste Neugeborene herausgestellt, das wir uns vorstellen konnten – und auch wenn`s nicht so gewesen wäre: „Krätze“ würde ich ihn ohnehin nie nennen, den Süßen. Höchstens Frechdachs. Oder Lauser. Oder Rübe. Oder Schlingel. Oder kleiner Gauner ❤
Denn ab und zu sind sie dann im Laufe der Monate natürlich schon aufgetaucht, die schlechte Laune, die schwierigen Tage, die anstrengenden Nächte.
Und grade WEIL das bei unserem Schnurbel eher die Ausnahme war, waren wir immer besonders irritiert – mittlerweile ist der Kleine ein gutes Jahr alt, die Welt hält viele Frustrationen für ihn bereit, und er hat gelernt, diese Frechheit kreischend zu kommentieren, mit beleidigtem Gesichtchen zu quittieren und sich mit voller Kraft nach hinten zu werfen, wenn ihm was nicht passt. D.h. mittlerweile gewöhnen auch wir uns daran, ab und zu ein brüllendes und sich gebärdendes Kind zu haben, so wie man sich das in den kühnsten Träumen vorstellt. Aber in den ersten Monaten war das echt sehr sehr selten.

Und immer, wenn die schlechte Laune doch passiert ist, hab ich mir das Buch geschnappt und nachgelesen, welcher Schub das denn jetzt sein könnte. Und in einigem habe ich den Kleinen dann wirklich wiedererkannt und habe meinem Mann stolz erzählt, was unser Sohn offenbar grade lernt.

Mit der Zeit wurde ich allerdings stutzig. Denn jeder einzelne der angeblich 8 Schübe wird im Buch großartig auf vielen vielen Seiten beschrieben: wie er sich ankündigt, wie er sich äußert, und man muss schon an ganz arger Stilldemenz leiden um nicht zu checken, dass da jedes Mal genau dasselbe erzählt wird.

Was ja auch okay bzw. sogar plausibel ist, dass sich ein Sprung jedes Mal ähnlich abspielt – aber da hätte man sich in dem Buch wahrscheinlich gut und gerne 40 Seiten erspart, wenn man das ganze Ding einfach einmal am Anfang abgehandelt hätte. So liest man sich halt 8 mal mehr oder weniger durch dasselbe durch. Mal abgesehen davon, dass mich irgendwann das Gefühl ereilt hat, dass dieses Buch fast so funktioniert wie ein Horoskop: hier werden so allgemeingültige Dinge beschrieben, Situationen, die jeder mit Baby kennt, weil es einfach ganz normale Verhaltensweisen sind, sodass man eigentlich immer irgendetwas findet, womit man sich identifizieren kann, wo man glaubt die eigene Situation wiederzuerkennen und wodurch es dann ganz leicht wird zu sagen: ach ja, die haben ja recht, die g`scheiten Autoren; woher wissen die das, dass das bei uns gerade genau so ist?!
Immerhin kann es bei einem Schub entweder sein, dass das Kind ständig an den Busen will oder gar nichts mehr trinkt, sehr schlecht schläft oder nur mehr schläft, sehr aktiv ist oder uninteressiert. Da ist dann wohl für jeden was dabei.

Ich habe bei unserem Kleinen beobachtet, dass er motorische Meilensteine erlernt hat, ohne vorher zu „schuben“, dann aber wieder eine schwierige Phase hatte, wo ich danach keine großen Veränderungen oder Neuigkeiten feststellen konnte. Aber natürlich lernt ein Kind in diesem Alter permanent. Es ist also relativ leicht, irgendeine neue Fähigkeit beim Baby festzustellen, wenn man eine Erklärung für ein schwieriges Verhalten sucht. Das mit den Schüben ist wohl in erster Linie eine Glaubensfrage, und wir haben halt so gerne logische Erklärungen. Anstatt uns einfach zu denken: „Ist halt einfach grad schlecht drauf“ ist es natürlich viel schöner sich auszumalen, was für ein kleines Genie da von der miesen Laune getrieben grade heranwächst.

Außerdem bin ich ins Grübeln gekommen: wenn wir wissen, dass es völlig in der Norm ist, dass manche Kinder schon mit 10 Monaten frei laufen können, manche jedoch erst mit 16 Monaten; wenn wir wissen, dass der eine mit anderthalb Jahren Wörter sagt wie: „Ostereieranmalmaschine“, „gschamster Diener“ oder „Löwenzahnblume“ (und: ja, ich kenne tatsächlich so ein Kind!) während der nächste erst mit 2 1/2 Jahren beginnt zu sprechen; wenn uns völlig klar ist, dass ein Kind mit 3 Monaten den ersten Zahn bekommt und ein anderes dafür über 1 Jahr alt werden muss; ja ist es dann nicht vollkommen absurd, dass wir in einer Tabelle nachschauen, in der angeblich ganz genau nachzulesen ist, in welcher Lebenswoche schwierige bzw. unkomplizierte Phasen zu erwarten sind?

Gut, jetzt kann man einwenden, die Autoren wiesen eh darauf hin, dass die Schübe individuell länger oder kürzer dauern können. In Wirklichkeit dauert ein Sprung beim einen Kind vielleicht nur 1 Tag, beim nächsten aber 6 Wochen. Und guess what – was das richtig praktische an der Erklärung ist: das kann quasi bedeuten, dass ein Kind volé von einem Schub in den nächsten Schub übergeht. Hat man also ein Kind, das die anderen (oder vielleicht auch man selbst) als „anstrengend“ empfinden, ein High-Need-Baby oder ein Schreibaby, so kann man immer die Schubtheorie aus dem Hut zaubern. Schubt halt das ganze erste Jahr durchgehend.

Da spricht jetzt eigentlich auch gar nichts dagegen, und alles, was jungen Eltern hilft, besser mit schwierigen Phasen umzugehen und etwas Positives daraus zu ziehen, ist durchaus willkommen. Ich weiß nur nicht so recht, wie sehr ich persönlich daran wirklich glaube, dass alles immer nur mit Schüben erklärbar ist.

Was mich im Laufe des Buches auch massiv zu stören angefangen hat, waren die Zitate von Eltern – je mehr davon zu lesen waren, desto mehr ist bei mir der Eindruck entstanden, als wären die alle ständig nur genervt von ihren Kindern. Nicht falsch verstehen: ja, manchmal nervt mich der Kleine auch, und es ist okay zu kommunizieren, dass einem auch mal als beste Mama der Welt die Geduld ausgeht oder man etwas sagt/ tut, was einem später leid tut.
Aber ganz ehrlich, in dem Buch ist ständig die Rede von Eltern, die „die Schnauze voll“ von ihrem Kind haben, es „ignorieren, wenn es brüllt“, „aggressiv“ werden, weil es nichts trinken will, usw. Das hat mich beim Lesen dann oft wirklich schon irritiert. Ich erinnere mich auch an eine Stelle, an der davon gesprochen wurde, dass das Essen bei Tisch ein regelrechter „Streitpunkt“ zwischen Mutter und Kind sei. Da war die Rede von einem 5 oder 6 Monate altem Baby. Hä? Echt jetzt??

Irgendwann wurde es für mich dann fast amüsant. Dazu muss ich sagen, dass wir ein Kind haben, dass erst mit 9 Monaten angefangen hat sich robbend fortzubewegen. Davor hat er sich wie ein fauler Pascha durch die Gegend schleppen lassen oder ist gemütlich rumgelegen. Das wars. Sich umdrehen, sich aufsetzen, krabbeln, sich in den Stand hochziehen ist alles erst relativ spät mit ca. 11 Monaten gekommen, dafür aber so ziemlich alles gleichzeitig.

Für mich alles kein Problem, denn als Ergotherapeutin weiß ich Bescheid, wie unterschiedlich sich Kinder entwickeln, auf welche Zeichen ich achten muss, bei denen bei mir die Alarmglocken losgehen, und ich habe mir nie Sorgen gemacht, dass bei unserem Baby eine Entwicklungsverzögerung vorliegen könnte. Wobei ich nicht ausschließen kann, dass man beim eigenen Kind nicht ein bisschen „betriebsblind“ ist ;-).

Aber dennoch: ich stelle mir vor, wie viele junge Eltern dieses Buch lesen, die im Grunde abgesehen davon, dass sie jetzt selbst ein Baby haben, keine Ahnung von Kindern haben. Und diese lesen dann davon, dass Babys beim Sprung um die 26. Woche Dinge lernen wie „Hinter einem Karton hergehen“, „springen“ oder „frei stehen“. Wohlgemerkt, wir reden hier über ein 6 Monate altes Baby. Das war ein Moment, wo ich fast mal vor Lachen vom Sessel gefallen wäre, da ich das gelesen habe, während MEIN 6 Monate altes Baby hilflos wie ein Käfer am Rücken gelegen ist und mit seinen Patschehändchen in Richtung Mobile gefuchtelt hat.

Ebenso absurd fand ich den Gedanken, dass Kinder in dem Alter bereits versuchen, Objekte oder Personen zu benennen, Tiere in Bilderbüchern erkennen oder Anweisungen verstehen. Prompt werden anschließend auch immer viele Fördertipps geliefert, wie man sein Baby dabei unterstützt, all diese Dinge zu erlernen. Und ach, da wurde ich gleich wieder grantig, denn das speist doch nur wieder den Förderwahn all dieser verunsicherten Eltern, die aufgrund solcher Bücher glauben, ihr Kind müsste all das schon längst können. Da kann noch so sehr am Ende des Kapitels vermerkt sein, dass es auch normal sei, wenn sich viele dieser Fertigkeiten erst Monate später ausbilden – das ist einfach nicht das, was bei einer jungen Mutter oder einem jungen Vater hängen bleibt. Kurz: ich finde, dass das Buch schon im Babyalter ein ziemlich leistungsorientiertes Bild vermittelt.

Ich muss gestehen, zu diesem Zeitpunkt habe ich aufgehört, das Buch zu lesen. Unser Sohn ist jetzt 12 Monate alt. ich weiß nicht, was er laut den Autoren mittlerweile können sollte. Wahrscheinlich müsste er schon die Matura haben, Mandalas ausmalen und Marienkäferunterarten benennen können. Stattdessen übt er gerade, wie man Erde und Steinchen möglichst schnell in den Mund stopft, bevor die Mama es sieht, sich erfolgreich gegen das Anziehen der Windel wehrt und Essen zu Boden wirft. Ganz die stolze Mutter, sage ich euch: darin ist er echt ganz groß, ich glaube, aus diesen Talenten wird noch was!

Von Mangotalern, Erdbeerkugeln und Apfelhäuflein: 3 neue BLW-Frühstücksideen

Wenn euren Babys das Brot schon bei den Ohren rausstaubt, sie die Hafer-Kekse nicht mehr sehen können und sogar der Klassiker Bananenpancakes mit Heidelbeeren nicht mehr richtig zieht, dann habe ich hier 3 mal ganz andere Rezepte für euch: super easy gemacht und ratzeputz verspeist.

Mangotaler

Polenta in Milch kochen. Mango und eine Dattel pürieren. Obstpüree mit etwas verquirltem Ei in die Polenta rühren. Taler formen und im Backofen bei ca. 200° knusprig backen.

Erdbeerkugeln

Couscous in Kokosmilch weichkochen. Pürierte oder gestückelte Erdbeeren und Kokosflocken einmengen. Kugeln formen. In etwas Butter oder Öl in der Pfanne braten.

Apfelhäuflein

Mandeln, Datteln und Apfel pürieren. Mit Buchweizenflocken vermengen, ev. etwas Wasser hinzufügen. 1 Eischnee unterheben. Mit einem Löffel Häufchen auf ein gefettetes Backblech setzen und ca. 15 Min. bei 180° backen.

Mengen sind bei mir wie immer pi mal Daumen, das heißt nach Gefühl…

Lasst es euch bzw. euren Kindern gut schmecken!

Mein erstes Wochenende ohne Baby – zwei Männer allein zuhause

Unser Baby wird in zwei Wochen 1 Jahr alt. Und ist dann offiziell kein Baby mehr. So gesehen war das letzte Wochenende fast so etwas wie eine Initiation zum Kleinkinddasein. Mein Baby und ich waren nämlich das erste Mal seit der Geburt länger als ein paar Stunden und vor allem über Nacht getrennt. Genau genommen sogar zweieinhalb Tage und zwei Nächte. Ich schwöre euch: das ist riiiiichtig lange.

In jedem Fall war es ein lehrreiches Ereignis für mich als Mutter. Denn am Ende des Wochenendes musste ich mir eingestehen: der Kleine hat das super weggesteckt. Eigentlich hatte der gar nichts zum Wegstecken. ICH war diejenige, der es schwergefallen ist. Und reflektiere ich über all die Sorgen, Gedanken und Zweifel, die ich mir wegen der Sache gemacht habe, muss ich nun erkennen: das war wohl der erste Schritt dieses schmerzlichen Prozesses, den alle Eltern durchmachen müssen. Nämlich das Loslassen. Die Kleinen werden groß. Sie brauchen dich von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr weniger. Oder zumindest anders. Sie werden selbstständig. Und das zeigen sie dir auch schon in so jungem Alter – wenn du sie lässt…

Manchmal muss man als junge Mama wirklich aufpassen, dass man das Bedürfnis des Kindes nicht mit dem eigenen Bedürfnis verwechselt. Das ist mir jetzt klar geworden. Bei einem so kleinen Wesen, das völlig auf dich angewiesen ist und mit dem du im ersten Lebensjahr schon fast symbiotisch zusammenlebst, passiert es schon leicht, dass du anfängst eigene Befindlichkeiten auf das Kind zu projizieren.

Ich sag`s euch. Was ich Bauchweh gehabt hab. Wie ich gehadert hab. Ein paar Tage vorher dachte ich noch, ich müsste das Wochenende absagen. Ich war wirklich, wirklich nervös. Und die Leute um mich hat das richtiggehend irritiert, weil ich nämlich sonst immer als „die Entspannte“ gelte. Die, die mit dem 6 Wochen alten Baby campen geht. Die, die mit dem 8-monatigen Sohn im Oman vorm Lagerfeuer sitzt und sich nix dabei denkt. Die, die immer sagt: „Geht eh alles.“

Mein Mann war was das Wochenende angeht von Anfang an locker. Für ihn war klar: logisch schaffen wir das. Und obwohl er allen Grund gehabt hätte zu verzagen, weil ich dauernd mit neuen Einwänden dahergekommen bin, war er immer zuversichtlich. Und je unruhiger ich wurde, desto mehr wollte er unbedingt, dass ich fahre. Und das zu Recht.

Was soll ich sagen. Obwohl wir normalerweise nachts und morgens noch stillen, sind Vater und Sohn auch ohne mich wunderbar zurechtgekommen. Sind bis in den Vormittag hinein im Bett herumgeknotzt, haben spät gefrühstückt, und waren viel unterwegs. Ja, das Kind wurde ganz anders angezogen, ernährt, versorgt und „betan“ als wenn ich zuhause gewesen wäre – und da fängt`s ja schon bei manchen Müttern an, dass sie das nicht aushalten. Aber als ich zurückgekommen bin, waren beide bester Dinge und fröhlich. Da hätte man als Mama schon fast beleidigt sein können, so à la: „Dieses Kind hat mich scheinbar überhaupt nicht vermisst.“ So viel zum Thema eigene Befindlichkeiten 😉

Nein ganz im Ernst. Ich find`s wunderbar zu wissen, dass die beiden ein gutes Team sind und eine starke Bindung zueinander haben. Ich hatte ja tatsächlich kurze Zeit Sorge, ob das Kind „traumatisiert“ sein könnte, wenn plötzlich die Mama 2 Tage nicht hier ist. Aber ganz ehrlich. Selbst wenn es nachts ein großes Drama gegeben hätte (was dann ja ohnehin nicht eingetreten ist): wenn aufgrund von 2 Nächten das ganze Urvertrauen perdu geht, dann muss bindungstechnisch schon im ganzen vorigen Jahr ziemlich was schiefgelaufen sein und dieses eine Wochenende wäre wohl noch unser geringstes Problem.

Natürlich bedeuten unterschiedliche Situationen und Personen auch unterschiedliche Bedürfnisse und erfordern dementsprechend unterschiedliche Herangehensweisen. Dennoch möchte ich allen Mamas da draußen sagen: Habt Vertrauen. Traut euch, eurem Kind und vor allem den Vätern was zu. Die können das nämlich auch.

Wann wart ihr denn das erste Mal von euren Babys getrennt?

Fluch oder Segen? Wie uns das Internet dabei hilft Probleme zu lösen, die wir ohne es gar nicht hätten

Also meistens ist es ja durchaus praktisch, das Internet. Aber manchmal macht es mein Leben auch wirklich kompliziert. Seit ich Mama geworden bin, fällt mir das verstärkt auf. Denn da wir nicht mehr in Großfamilien und Dorfgemeinschaften eingebunden sind, sitzen die einsamen Jungeltern im Falle eines Informationsmangels allein zuhause und fragen wen? Ja genau: Google. Oder Foren. Oder Facebookgruppen.

Und dann kommt es schon mal vor, dass man auf die simple Frage, wieviel Wasser ein Baby eigentlich trinken sollte, 27 verschiedene Antworten bekommt. Ganz zu schweigen vom schlechten Gewissen, weil man kein spezielles Babywasser gekauft hat sondern dem armen Kind normales Leitungswasser verabreicht hat. Kauft man ersteres, ist man aber in den Zero-Waste-Communities unten durch. Vielleicht schließt man sich also am besten den Ängstlichen an – denen nämlich, die aus Angst, ihr Kind könnte eine Wasservergiftung bekommen, gar kein Wasser geben.

Wenn man nach Tipps zur Lockenpflege googelt, endet das darin, dass man spezielle Handtücher zum Trocknen der Haare aus den USA bestellt, natürlich mit Zoll und allem kostspieligen Pipapo (übrigens stinknormale Baumwollfleecetücher, mit lustigen Rüscherln dran). Und am besten noch den von alleinerziehenden Müttern handgeschnitzten Kamm aus in Namibia endemisch vorkommendem Holz, das durch irgendeinen Naturzauber besonders energetisiert ist und daher die Locken springen lässt dass es grad nur so eine Freude ist. Hinterlässt aber leider keinen guten ökologischen Fußabdruck, sodass man sich schon überlegen muss, ob nun die Unterstützung der armen alleinerziehenden Namibianerin den verursachten CO2-Ausstoß aufwiegt, oder ob man doch lieber demnächst heimlich nachts im Lainzer Tiergarten ein Wildschwein rupfen und bei einem Workshop im Waldviertel eine Bürste aus heimischen Wildschweinborsten basteln soll. Wäre halt nicht gerade die veganste Lösung.

Fragt man sich am Anfang der Stillzeit, ob das Kind genug Milch trinkt, und möchte „mal eben schnell nachschauen“, woran man dies erkennt, findet man sich Tage später erschöpft auf der Couch wieder, nachdem man sich durch circa dreihundertvierundzwanzigeinhalb Hebammen-, Stillberaterinnen-, und Mütterseiten geackert hat (den letzten Artikel hat man in der Mitte abgebrochen, sonst wäre man dem Wahnsinn verfallen), sich plötzlich Gedanken über so Themen wie Vorder- und Hintermilch macht, schwitzend nasse Windeln zählt, und letztendlich ein mehrtägiges Experiment zur Milchproduktionsregulation durch minutiös geplante Stillzeiten startet, weil man nunmehr doch der Meinung ist, der Milchfluss wäre in Wirklichkeit zu stark und das Kind bekomme also ZUVIEL Milch. Nur um den Schmarren ein paar Tage darauf – bestärkt durch weitere Blogs, Facebookseiten und Foren, für das Lesen derer man inzwischen erneut Kraft gefunden hat – wieder aufzugeben und stattdessen ganz nach Gefühl, Intuition, ohne Blick auf die Uhr, bedürfnisorientiert, und so weiter und so weiter…

Eigentlich wollte man nur ein bisschen über Kindererziehung schmökern – schwupps hat man einen sauteuren Trinkbecher bestellt, der aussieht wie eine Sauciere, und beim Auspacken gesteht man sich ein, dass man das Baby dann auch gleich aus eben jener Sauciere trinken hätte lassen können anstatt aus diesem Plastikklumpert. Aber das Plastikklumpert hat natürlich diese netten Noppen, die angeblich zur Trinkbewegung animieren, na also wenn das nicht ein Argument ist! Steht nun also dekorativ im Küchenkastl.

Da man leicht vom Hunderdsten ins Tausendste kommt, führt die ursprüngliche Frage, was man zum Mittagessen kochen könnte, plötzlich dazu, dass man den Schwiegervater bekniet, einen Learning Tower zu bauen, man in der ganzen Stadt herumgondelt, um Kokosblütenzucker zu besorgen und man selbst befürchtet, demnächst Diabetes zu bekommen.

Stoffwindeln zu waschen ist offenbar eine Wissenschaft für sich, und man durchforstet nach ausgiebiger Recherche dutzende Supermärkte, um endlich ein geeignetes Produkt zu finden, das nicht all das drin hat, was eben offenbar nicht drin zu sein hat.

Ständig liest man über Dinge die man essen soll, oder doch nicht essen soll, bzw. ausschließlich in Bio-Qualität von diesem oder jenem Anbieter, und bis man herausgefunden hat, wo man das Zeug herbekommt, lautet die neue Empfehlung: doch nicht essen, weil eventuell doch bedenklich. Regelmäßig landet man als gesundheits- und umweltbewusster Mensch auf mehr oder weniger seltsamen Seiten, die man zwar dann doch als unseriöse Quellen entlarvt – ertappt sich aber dennoch dabei, dass einen die Lektüre von den dort recht schlüssig aufbereiteten Informationen (wenn sie nicht allzu schwurbelig waren) doch irgendwie in seinen weiteren Überlegungen beeinflusst. Und so schnell kann man gar nicht schauen, hat man plötzlich kein gutes Gefühl mehr dabei, seinem Kind die Fluoridtabletten zu geben oder nimmt selbst bei eitriger Angina kein Antibiotikum mehr, weil: die böse Pharmaindustrie und so. Gar nicht so einfach, bei all den unterschiedlichen Meinungen seine eigene zu bilden, vor allem, weil man sich sehr schnell in einer sogenannten Echokammer befindet, wo ohnehin nur mehr alles bestätigt wird, was man sowieso schon wusste. Oder?

Menschen, die eine etwas kontroverse Meinung in so einer von vielen Gleichgesinnten gebildeten Blase vertreten, schreiben vorausschauend gerne so etwas wie: „Steinigt mich, aber…“, worüber mancherorts eine Diskussion darüber entbrennt, ob es zulässig sei, solche Ausdrücke zu verwenden, in einer Welt, in der täglich tatsächlich Menschen gesteinigt werden. Man bleibt eine Stunde an der hitzig geführten Debatte und den immer genervteren Kommentaren der beteiligten Personen hängen, bis einem irgendwann vielleicht doch wieder einfällt, was man denn eigentlich hier wollte, bevor man über diese Perle des Facebookinismus gestolpert ist.

Ein Hotelzimmer zu buchen wird jedes Mal zum stundenlangen Prozedere, weil man beginnt die Bewertungen zu lesen. Irgendjemand findet`s offenbar immer zu dreckig, zu laut, das Personal zu unfreundlich, oder halt einfach insgesamt zum Speiben. Und dann sucht man halt doch noch ein bisserl weiter… und noch ein bisserl… und noch ein bisserl…

Und dass man sich am liebsten gleich schon selbst ein Grab schaufeln würde, obwohl man sich eigentlich nur einen Schiefer eingezogen hat, aber den Fehler gemacht hat nachzuforschen wie man diesen am besten entfernt,  davon will ich erst gar nicht anfangen.

Worum ging`s jetzt noch mal in diesem Blogpost? Achja, wie das Internet mir hilft, Probleme zu lösen, die ich ohne es überhaupt nicht hätte. Ganz ehrlich: manchmal macht mich diese Informationsflut ganz narrisch. Und führt dazu, dass Dinge, von denen ich dachte sie wären ganz einfach, plötzlich verdammt kompliziert werden. Andererseits kann ich aber nicht mehr ohne.

Was ist das Web für euch? Nur Segen oder manchmal auch ein bisschen Fluch?

 

 

Gastbeitrag: Von Freude und Frust im Alltag eines Kindes – der Blick einer Ergotherapeutin auf ihr Baby

Da mir ein Blog – wie es scheint – nicht genug war, habe ich nun begonnen, auch als Die Ergotherapeutin meine Gedanken und Ideen mit euch zu teilen. Ich zeige euch heute hier meinen ersten Blogeintrag, sozusagen als Gastbeitrag bei mir selbst 😉 , und freue mich, wenn ich euch als Leser und Leserinnen meines zweiten Blogs gewinnen kann ❤

Von Freude und Frust im Alltag eines Kindes – der Blick einer Ergotherapeutin auf ihr Baby

Mein Baby ist momentan fast 11 Monate alt und schwerstens auf Entdeckungstour durch dieses Abenteuer namens Leben. Und die Welt reißt den Kleinen einerseits zu Begeisterungsstürmen hin, andererseits ist sie auch ein ewiger Quell von Frustration: ständig sind da Sachen, die man nicht haben darf. Dinge, die man tun will, aber noch nicht kann. Spannende Objekte, die man grade noch nicht erreicht. Türen, die aufgehen, sich aber gemeinerweise wieder schließen, bevor man es geschafft hat hindurch zu schauen. Spannende Geräusche hören plötzlich wieder auf. Irgendwas rollt weg. Etwas anderes lässt sich nicht verschieben. Das Sofa ist zu hoch um hinauf zu klettern. Das Steinchen muss man wieder ausspucken – dabei hat man sich so bemüht, es zu erwischen. Alles ist zu weit weg, zu schwierig und so verdammt wenig beeinflussbar. Keiner versteht was man sagen will. Und überhaupt. Es ist einfach ständig alles zum Plärren.

Aber wie groß ist der Stolz im Blick, wenn doch ein Ding der Begierde ergattert wurde und triumphierend damit gewachelt wird.

Bei Babys haben wir meist noch großes Verständnis dafür, dass die kleinen Dinge des Alltags sehr frustrierend sein können. Bei älteren Kindern setzen wir aber schon mehr Frustrationstoleranz voraus – die Gleichaltrigen können das ja auch! Oder nicht?

Kindern in der Ergotherapie geht es in Wirklichkeit oft gleich wie meinem Baby. Sie wollen, können aber nicht. Die Finger sind zu ungeschickt, die eigenen Füße im Weg, im Gehirn ist zuviel los, sie können sich häufig schwer ausdrücken und es prasseln einfach zu viele Reize und Anforderungen auf sie ein. Und wir Erwachsenen werden dann leicht ungeduldig. Mach schneller. Stell dich nicht so an. Ist doch ganz einfach. Trödel nicht.

Kann man es den Kindern dann verdenken, dass sie irgendwann nicht mehr nur nicht können, sondern auch gar nicht mehr wollen?
Daran erinnert mich mein Baby in letzter Zeit. Mit dem Unterschied, dass mein Baby deutlich mehr Erfolgs- als Misserfolgserlebnisse hat und daher motiviert ist, dranzubleiben – was bei vielen Kindern in der Ergotherapie aber nicht der Fall ist. Meiner Erfahrung nach trödeln die wenigsten Kinder um uns zu ärgern, verweigern um uns zu provozieren, oder bocken um uns den letzten Nerv zu rauben. Sondern sie sind schlicht und einfach überfordert.
Daher geht es bei vielen Kindern in der Ergotherapie anfangs, bevor man sich überhaupt den therapeutisch-funktionellen Themen widmen kann, um ganz grundlegende Dinge: es zumindest einmal versuchen. Dabei bleiben. Es wieder versuchen. Sich selbst als wirksam erleben. Etwas erreichen können. Zeit und Raum haben, um sich auszuprobieren. Einfach wieder Spaß am Tun haben – unabhängig vom Ergebnis. Sich mutig und zuversichtlich der Herausforderung stellen.
Ist das einmal geschafft, kommt vieles in Wirklichkeit wieder von allein. Denn jedes Kind möchte sich von Natur aus weiterentwickeln und dazulernen. Und wir sind dazu da, sie dabei zu begleiten und so viel zu helfen wie nötig – aber so wenig wie möglich.

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Warum der Kauf einer Creme auch ein politisches Statement sein kann – lasst uns gemeinsam einen Unterschied machen!

Wart ihr auch mal 20, habt gern T-Shirts mit kernigen Sprüchen getragen, wolltet Teil einer Jugendbewegung sein und habt euresgleichen an ihren Adidas-Jacken, vorzugsweise aus den 70-ern, erkannt? An den Dreadlocks hat man schon von weitem gesehen, dass ihr sozial engagiert seid, ihr wurdet ständig von Greenpeace-, Vier Pfoten- und Amnesty International-Typen auf der Straße angesprochen, weil ihr schon so ausgesehen habt, als würdet ihr nicht nein sagen können (und ihr habt auch nicht nein gesagt)?

Je nach Geburtsdekade hat das bei der einen oder dem anderen wohl entsprechend anders ausgesehen, unter all den unterschiedlichen Looks wird es aber ähnlich gewesen sein: mit 20 sprüht einem der Idealismus grad nur so aus den Ohren, auf Demonstrationen hat man noch das Gefühl man könne die Welt verändern und man glaubt, wirklich etwas zu bewirken.

Im Laufe der Zeit, wenn man sich im Park nicht mehr auf ein paar Bier trifft, sondern zum Tabouleh- und Spargel-auf-Frühlingsvinaigrette-Essen, geht dieses Gefühl irgendwo zwischen Vögelchen auf Hochzeitseinladungen, unter dem neuen Mac-Book oder am Brunchbuffet verloren.

Je länger man auf diesem Planeten wandelt, sieht man nämlich Dinge. Man sieht, dass Müllentsorgung in Indien bedeutet, alles aus dem Zugfenster oder über Bord zu schmeißen. Und dann darf man nicht anfangen zu überlegen, wie groß Indien ist. Und wieviele Inder es gibt. Und wie wenige Menschen, die in Lebensumständen leben, die es ihnen ermöglichen überhaupt erst zu überlegen, ob der Joghurtbecher nun in die gelbe Tonne gehört oder doch woanders rein. Man sieht, dass Lämmchen in Südostasion, an den Hinterbeinen zusammengebunden, kopfüber mit dem Moped transportiert werden. Was für ein Foto gut, fürs Herz aber schlecht ist. Man sieht den Smog in Addis Abeba und stinkende Abgaswolken in Bangkok. Und fragt sich, was die paar Elektroautos ernsthaft bringen sollen. Man sieht Kinderarbeit. Und Familien, die auf die Arbeit dieser Kinder angewiesen sind. Und bekommt Angst, ganze Dörfer in Existenznöte gestürzt zu haben, weil man seine T-Shirts nicht „made in Bangladesh“ sondern bio aus dem Waldviertel gekauft hat. Man sieht wie billige Plastikartikel die Märkte überall auf der Welt überfluten. Man sieht eben dieses Plastik neben sich im Meer schwimmen, muss es am Strand zur Seite räumen um Platz für sein Badetuch zu schaffen und es leuchtet einem bunt aus einst idyllischen Bergflusstälern entgegen. Und plötzlich kommt einem die eigene Freude, als man mit einem Bambus- statt einem Plastikkochlöffel nach Hause gekommen ist, richtiggehend lächerlich vor. Man sieht riesige Schlote von großen osteuropäischen Fabriken, die schwarze Wolken in die Luft blasen. Und überlegt sich das mit der solarbetriebenen Warmwasseranlage nochmal.

Aber man muss, um sich mal so richtig schön desillusionieren zu lassen, nicht mal so weit in die Ferne schweifen. Denn wenn die Nachbarn die Küchenabfälle zwar brav sammeln, dann aber aus Faulheit samt Plastiksackerl in die Biotonne werfen, du immer wieder Dosen aus dem Altpapiercontainer fischst und du siehst, welchen Schmarren an angeblichen „Lebensmitteln“ die Menschen in ihrem Einkaufswagen liegen haben, während du dich bemüht hast zu möglichst wenig verpackten Bio- und Fairtrade-Produkten zu greifen, ja, dann kann man sich schon einmal wie der Trottel vom Dienst fühlen.

Und dann kommen noch die Dinge dazu, die man nicht sieht – aber weiß. Man weiß von den mächtigen Großkonzernen, die den Weltmarkt beherrschen. Man bekommt in den Nachrichten zumindest einen kleinen Eindruck davon, wie es in der „echten“ Welt da draußen – außerhalb unserer hübschen kleinen mitteleuropäischen Wohlstandsblase – zugeht. Man beobachtet das Rumgeeiere in der Innenpolitik, obwohl man vor lauter facepalm schon gar nicht mehr hinschauen mag.

Kein Wunder, dass man irgendwann mal seinen jugendlichen Elan verliert und einen ordentlichen Durchhänger in Sachen Weltverbesserung hat.

Ganz ehrlich: so um Mitte 20 rum hab ich eher hedonistisch gelebt. Mir war das alles ziemlich wurscht. Politik wurscht, gesunde Ernährung wurscht, Umwelt wurscht. Beziehungsweise: mir war gar nicht bewusst, dass mir das alles wurscht war, aber ich hab mich einfach lange Zeit kaum mit diesen Themen auseinandergesetzt. Und das, obwohl ich schon als Kind „Helft Wasser sparen“-Sticker auf Klospülungen gepickt habe. Meine selbstgemalten Plakate zum Thema „Rettet den Wald“ zierten unsere Wände. Und das fünfjährige Ich fragte meine Mutter vorm Fernsehapparat verwundert, warum die hungernden Kinder in Äthiopien nicht einfach mit dem Flugzeug zu uns kommen, weil wir ja eh so viel haben.

Ich weiß nicht, was das ist, wenn Idealismus plötzlich in Gleichgültigkeit umschlägt. Wahrscheinlich habe ich, als mein naiv-kindlicher Zugang verloren ging, die Komplexität all dieser Themen einfach nicht mehr ausgehalten. Und als ich endlich „groß“ war, hat mich die Frage, welche Rolle ich als einzelner Mensch in all diesem Wahnsinn überhaupt spielen kann, einfach überfordert.

Aber soll ich euch was sagen? Wenn einem diese Themen tief drinnen wichtig sind, kommen sie wieder. Und langsam, laaangsam, in einem Prozess, der in meinem Fall vor vielen Jahren begonnen hat und wahrscheinlich bis an mein Lebensende dauern wird, findet man seinen Weg zurück zu seinen idealistischen Werten – und lebt sie in einer für sich realistischen Weise. Das heißt: nicht perfekt. Nicht dogmatisch. Nicht in Selbstgeißelung und totaler Aufopferung. Sondern man tut das, was man kann und wozu man gerne bereit ist. Man wird nicht die Welt aus den Angeln heben. Aber man kann bei sich im Kleinen anfangen, und damit seinen Beitrag leisten.

Und tatsächlich gibt es etwas, womit JEDER von uns ein machtvolles Mittel in der Hand hat. Wir können wählen. Ja, wir können Politiker und Parteien wählen (und das sollten wir alle, auch wenn es mitunter eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera ist), aber das ist gar nicht das, was ich meine. Ich spreche von all den kleinen Wahlen, die wir täglich treffen: unsere Kaufentscheidungen.

Was wir liegen lassen und was wir mitnehmen, sendet ein Signal an „die da oben“ und wirkt sich langfristig auf das Angebot aus. So deppert das vielleicht wirklich im ersten Moment klingt: wir setzen sogar ein Statement, indem wir uns für eine bestimmte Creme entscheiden. Denn was drücken wir damit aus? Wir drücken damit aus, ob wir lieber wenig Geld ausgeben und dafür in Kauf nehmen, dieses Geld ausbeuterischen Großkonzernen in den Rachen zu werfen, oder ob wir bereit sind mehr auszugeben, und damit eine Marke zu unterstützen, die die Region stärkt und regionale Arbeitsplätze schafft. Durch die Entscheidung für eine Creme zeigen wir, ob uns Umweltschutz und Nachhaltigkeit am Herzen liegen. Welches Produkt bei uns im Bad steht, wirkt sich darauf aus, ob irgendwo auf der Welt jemand fair für seine Arbeit bezahlt wird oder nicht. Mit unserer Creme unterstützen wir unbewusst Tierleid oder wehren uns aktiv gegen Tierversuche. Wir schmieren uns nicht nur das Gesicht ein, sondern wir leisten damit auch einen Beitrag zu sozialen Projekten, zur Inklusion behinderter Menschen und zu Entwicklungsshilfe – oder eben nicht. Und nicht zuletzt zeigen wir mit der Wahl unserer Creme auch, ob wir weiterhin hinnehmen wollen, dass für unseren Körper und unsere Umwelt bedenkliche Stoffe zuhauf in diesen Produkten stecken, oder ob wir neben dem bloßen Wunsch nach Schönheit auch Wert auf unsere Gesundheit, auf unseren Planeten und auf hohe Qualität der Inhaltsstoffe legen.

Ich selbst war ja schon immer ein ausgesprochener Kosmetikjunkie – selbst als Studentin, die, arm wie eine Kirchenmaus und ohne Heizung lebend, mit einer runtergetretenen Second-Hand-Jeans und einem Paar Sneakers ausgekommen ist, habe ich immer wieder bei den teuersten Produkten in der Parfümerie zugeschlagen. Das war mein Luxus im Alltag, diese eine Sache, die ich mir gegönnt habe. Wenn ich mir heute überlege, wieviel Geld ich für dieses „Klumpert“ ausgegeben habe (ja, hochtechnologisch verarbeitet, mit viel Forschung verbunden und daher vermeintlich „hochwertig“, aber dennoch, ich bleibe dabei: Klumpert), obwohl es die durch und durch bessere Alternative schon damals direkt vor meiner Nase gegeben hätte!

Naja, sagt ihr jetzt vielleicht, die arbeitet ja mit RINGANA und macht natürlich Werbung. Ja, das tue ich. Und ja, ich mache das, um Geld zu verdienen. Ich wäre ja wohl eine ziemlich schlechte Unternehmerin, wenn ich mit meiner Arbeit KEIN Geld verdienen wollte.

Aber: wenn jemand, den ich über alle obigen Punkte aufgeklärt habe, dann trotzdem nichts bestellt, jedoch dennoch seine zukünftigen Kaufentscheidungen hinterfragt; wenn bei demjenigen neue Gedankengänge ins Rollen gekommen sind; oder wenn derjenige aufgrund meiner Ausführungen beginnt, seine Cremes selber aus Bio-Zutaten anzurühren – ganz ehrlich, dann fühle ich mich auch schon ziemlich erfolgreich.

Denn durch meine Tätigkeit weiß ich nicht nur, dass ich mich selbst für eine ethische Alternative entscheide, sondern ich beinflusse auch die Kaufentscheidungen anderer Menschen. Und wenn die 70-jährige sparsame Frau Mittermoser beschließt, nach Jahrzehnten nun doch die blaue Dose aus dem Bad zu verbannen und stattdessen nur mehr die selbstgemachte Ringelblumensalbe am Schulbazar ihrer Enkelin zu kaufen, der minimalistisch veranlagte Valentin statt der üblichen Paraffinpampe das Olivenöl vom letzten Griechenlandurlaub als Hautpflege benutzt, und die kosmetiknarrische Hannelore, die – so wie ich – hohen Wert auf maximale Wirksamkeit und bestes Hautgefühl legt, der Parfümerie den Rücken kehrt und in meiner Kundenliste landet (denn warum das Geld für zu Tode konservierte Chemiebomben rauswerfen, wenn es auch frisch, mit der vollen Kraft aus der Natur geht?) – dann hab ich wirklich das Gefühl, etwas erreicht zu haben.

Also lasst euch nicht unterkriegen. Spread the word. Egal, in welchem Bereich ihr aktiv seid. Beim einen ist es halt nicht die Creme. Sondern das Fahrrad. Beim nächsten ist es nicht Bio. Sondern der regionale Bauer im Nachbarsdorf. Der dritte fährt ein altes Auto. Ernährt sich aber vegan. Der nächste trägt Leder. Vermeidet dafür Plastik im Alltag. Jeder tut das, was er kann. Jeder tut das, was sich richtig anfühlt. Und gemeinsam sind wir viele. Gemeinsam machen wir einen Unterschied.

Kein Talent für Fingerfood? Diese BLW-Rezepte funktionieren trotz nervösen Eltern und kaufaulen Babys

Hmpf. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Als die Beikostreifezeichen mit knapp 6 Monaten beim Schnurbel erfüllt waren, konnte ich es schon kaum mehr erwarten, DAS neue Ding, das Non-Plus-Ultra oder wenn ihr so wollt: den heißen Scheiß im Beikost-Universum auszuprobieren: Baby-led Weaning bzw. „Breifrei“. Kurz: ich war voll motiviert. Mein Baby allerdings nicht.

Wobei. In den Mund gestopft hat er sich alles, voller Freude. Motivation also durchaus gegeben. Allerdings anstatt einfach genüßlich an den Gemüsesticks zu lutschen und sie häppchenweise wieder elegant aus dem süßen Mündchen gleiten zu lassen, so wie es sich für einen ordentlichen BLW-Neuling gehört, hat unser Kleiner gleich reingehauen wie ein Mähdrescher. Ausspucken?? Niemals! Abbeißen und sofort alles runterschlucken – das war es, was der Frechdachs wollte. Eating under 1 year is just for fun? In diesem Aspekt ist unsere kleine Kicherebse offenbar humorlos.

Ein paar viertel Erstickungsanfälle seitens des Babys und halbe Herzinfarkte seitens der Eltern später musste ich im Laufe der Wochen einsehen: ich habe wohl kein typisches Breifrei-Baby.

Experimentiert habe ich in den letzten Monaten dennoch weiterhin – und dem kleinen Nimmersatt nebst Busen und Brei immer wieder neue Kreationen an Fingerfood angeboten. Jetzt, mit mittlerweile 10 Monaten sind schon einige Zähne da – und siehe da, jetzt wird`s langsam was mit dem Kauen 🙂

Habt ihr auch ein Baby, dem selbst die immer gern empfohlenen BLW-Klassiker zu schaffen machen?Ofengemüse – geht nicht wegen der knusprige Schale. Gedämpfte Gemüse- und Obststicks – da wird ordentlich gewürgt und ihr findet die Teile 1 zu 1 in der Windel wieder. Orange – so eine lästige Haut! Nudeln – lösen sich blöderweise nicht von selbst im Mund auf. Birne – muss schon fast der Gärung nahe sein, damit sie auch nur annähernd weich genug ist. Faschierte Laiberl – kannst du vergessen, da wird sich an den „zachen“ Fleischkugerln verschluckt, so mini sie auch sein mögen. Und so weiter.

Wenn ihr euren Kindern aber dennoch von Anfang an Selber-Essen am Familientisch ermöglichen wollt, dann hab ich hier ein paar Ideen für euch, die bei uns tatsächlich immer funktioniert haben, ohne dass wir Eltern schweißgebadet daneben gesessen sind. Letztendlich werdet ihr sehen, dass es sich in vielen Fällen schlicht und einfach um Brei in einer etwas festeren Variante handelt, der zu Bällchen, Talern und Stangerln geformt wird. Anfangs, als der Kleine sowas nur zerquetscht hat, habe ich das Essen in die Hand genommen, er hat wiederum meine Hand geschnappt und den Bissen auf diese Weise in den Mund gesteckt. Mit der Zeit konnte er seine Motorik immer mehr kontrollieren und seine Kraft besser dosieren, und hat es somit bald alleine geschafft, sich das Zeug in den Mund zu schaufeln.

Gemüse- und Obst

Gemüsesticks gingen bei uns in den ersten Wochen nur in Form von gedämpftem Kürbis gut – ohne Schale. Auch Kürbisschnitzel sind gut angekommen (rohe Kürbissticks nacheinander in Mehl, Ei und Semmelbrösel wenden und in der Pfanne herausbacken). Gedämpfte Zucchini (anfangs ebenfalls geschält) und Brokkoli haben sich dann bald dazugesellt. Bei Obst war lange Zeit ausschließlich sehr reife Banane möglich, oder aus der Haut gelöste Orange.

Babykekse

Selbstgebackene Babykekse aus püriertem Getreide- und Obstbrei sind eine wunderbar softe bis gatschige Angelegenheit, mit der unser Schnurbel von Anfang an gut zurechtgekommen ist. Im Grunde nehmt ihr ein Getreide in Form von Mehl oder Flocken eurer Wahl, vermixt es mit Obst eurer Wahl, gebt etwas Öl oder Butter hinzu und klatscht es in Häufchen aufs Backblech. Nach 15-20 Min. bei 180° sieht das Ergebnis zwar immer noch nicht unbedingt ansprechend aus, schmeckt aber offensichtlich trotzdem. Die Konsistenz ist einfach perfekt für ungeübte Selberesser: griffig, aber sehr weich.

Oft verwerte ich auch Reste von Frühstücksbrei auf diese Art und Weise zu Keksen, eventuell rühre ich noch ein bisschen Backpulver mit rein – so muss ich nichts wegschmeißen und wir haben noch einen kleinen Snack für den Nachmittag.

Gemüsepudding („Flan“)

Püriertes gekochtes Gemüse (ideal ist z.B. Brokkoli) mit Ei und etwas Schlagobers vermischen, in ein gefettetes Backförmchen geben, und bei 180° im Wasserbad im Rohr pochieren, anschließend stürzen und in Scheiben schneiden.

Getreide-Gemüse-Bällchen

Hirse, Polenta, Hafer-/Dinkelflocken oder Couscous kochen, mit püriertem Gemüse und etwas Öl mischen und zu Bällchen formen. Können gleich verputzt oder noch kurz angebraten werden. Auch gekochtes und püriertes Fleisch oder Fisch könnt ihr hier gut mit verarbeiten.

Gemüse-Nuss-Taler

Eine kleine Menge Flohsamen in etwas Wasser einlegen, bis die Flüssigkeit zu einem Gel geworden ist. Gemüse (z.B. Karotte, Sellerie, Kohlrabi) mit Haselnüssen fein vermixen. Flache Taler formen, auf ein Backblech setzen und 25 Min. bei 180° backen.

Reibekuchen (Gemüsepuffer)

Also gaaaanz am Anfang habe ich nur Gemüse-Püree zu Puffern gebraten – aber relativ bald ging da auch der klassische geraspelte Kartoffelpuffer. Funktioniert auch mit Karotte oder Sellerie!

Waffeln, Brot, Pancakes & Muffins

Alles, was aus weichem Teig besteht, ist von Anfang an gut gegangen und erfreut sich bis heute größter Beliebtheit. Brot ohne Rinde wird reingestopft ohne Ende, dasselbe gilt für fluffige Waffeln, flaumige Pancakes und saftige Muffins in den verschiedensten Varianten. Hier könnt ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen: einfach Mehl, Ei, etwas Öl/ Butter, Backpulver, Gemüse- oder Obstmus/ Beeren, ein Schuß Milch und ein Schuß Mineralwasser zu einem dickflüssigen Teig vermixen und zu was-auch-immer verbacken!

Wie ihr seht, gehe ich bei der Kocherei fürs Baby eher pi mal Daumen vor, anstatt mich an genaue Mengenangaben oder Rezepte zu halten – man kriegt das mit der Zeit auch ins Gefühl. Mal wirds fester, mal wirds ein Gatsch – essbar ist es immer! Grob gesagt gilt: je mehr Obst- oder Gemüsebrei ihr beifügt, desto matschiger wird das Zeug – was zwar eine Riesensauerei ist, aber bei im Kauen ungeübten Babys nur von Vorteil ist.

Tun sich eure Babys auch nicht so leicht mit Fingerfood? Und was hat außer klassischem Brei bei euch von Anfang an funkioniert?